Chronik | Österreich
15.05.2014

Donauturm wackelt, Bäume fielen um, Strom fiel aus

Winde bis 120 km/h und Dauerregen ziehen über Österreich. Entwarnung kommt erst am Sonntag.

Böen mit bis zu 120 km/h und Starkregen mit 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter – das hartnäckige Sturmtief „Yvette“ hat auch am Freitag Österreich fest im Griff. Vom Tiroler Unterland bis in den Wienerwald bläst der Wind aus Nord- bis Nordwest. Heftiger Regen könnte jetzt regional für Überschwemmungen sorgen.
In Wien steht die Berufsfeuerwehr mit 500 Mann und 200 Fahrzeugen in Bereitschaft. Laut Sprecher Christian Feiler wurde eine angesetzte Großübung abgesagt: „Wir beobachten die Wetterentwicklung mit Argusaugen.“

Besonders die Sturmböen sorgen in Wien für Sorgenfalten. Während die neuen Hochhäuser diesem Sturm problemlos standhalten, kann es bei hohen, älteren Gebäuden ganz schön wackeln. Riesenrad-Chef Peter Petritsch: „Ab 90 km/h stoppen wir den Betrieb. Denn dann wird es in den Gondeln schon sehr ungemütlich.“

Der Donauturm bei Sturm

Je schlechter das Wetter, desto spannender ist der Besuch am Donauturm.

200 km/h Windgeschwindigkeit kann der Donauturm aushalten. Solche Windspitzen wurden in der 50-jährigen Geschichte des Turms noch nie erreicht. Dass sich das Wiener Wahrzeichen um einige Zentimeter bewegt, merkt man aber schon bei Böen um die 60 km/h. „Wenn man ruhig steht, spürt man die Bewegungen besonders gut“, sagt Donauturm-Manager Bert Copar. Als der KURIER ihn auf 170 Metern Höhe im Restaurant trifft zieht gerade Sturmtief „Yvette“ über die Stadt. Bei geschlossenen Augen könnte man meinen, man sei auf einem Schiff.

Geheimtipp: Gewitter

Abgesehen von der atemberaubenden Aussicht über ganz Wien, kann man im Donauturm auch noch ein Naturspektakel der besonderen Art erleben. „Bei einem Gewitter schlagen aufgrund der Höhe oft Blitze ein. Dann sieht, hört und spürt man den Blitz förmlich“, verrät Copar als Geheimtipp. Wirklich etwas anhaben, kann dem Donauturm aber keine Schlechtwetterlage. Das imposante Gebäude passt sich eigenständig den Gegebenheiten an und reagiert, wenn es zu stürmisch wird. „Normalerweise fahren unsere Lifte mit 22,4 km/h. Wenn es zu stürmisch ist reduzieren sie die Geschwindigkeit automatisch um mehr als die Hälfte“, so Copar. Eine komplette Einstellung des Liftbetriebs müsste erst bei Sturmspitzen um die 200 km/h erfolgen –spannend ist es am Donauturm bei Schlechtwetter allemal.

Sturmtief „Yvette“ könnte in Wien sogar zu einem historischen Ereignis führen. „Sollte es wirklich Spitzen jenseits der 110 km/h geben, werden wir die Terrasse sperren – zum ersten Mal in 50 Jahren“, erklärt Copar. Schon am Donnerstag spürte man in dem Wiener Wahrzeichen deutlich, die ersten Sturmböen. „An der Spitze, auf 252 Meter, schwankt der Turm bis zu einem halben Meter“, erklärt Copar.

Zusätzlich gibt es Dauerregen. Der sorgt für weitere Absagen. So wurde das für Freitag und Samstag in Wien angesetzte 35. Blasmusik-Festival ersatzlos gestrichen. In Reichenau an der Rax fiel der von Freitag bis Sonntag geplante Blütenzauber (Orchideen- und Fuchsienschau) dem Schlechtwetter zum Opfer. In der Kurstadt Baden finden gleich mehrere Events (Tag der Sonne, Jugendsporttag, Kärntner Bauernmarkt, Wein im Park) nicht statt.

Rund um den Neusiedler See warnt die Polizei Segler und Surfer vor den Wetterkapriolen. Alle Boote wurden bereits festgemacht. Und im Südburgenland stehen seit Mittwochabend – wegen umgestürzter Bäume – an die 20 Feuerwehren im Dauereinsatz.

Gemeinden ohne Strom

Probleme gab es auch in der Steiermark: Bis Donnerstag Nachmittag waren 4000 Haushalte wegen gekappter Leitungen ohne Strom. Auch die Gondelbahn auf den Schöckel bei Graz sowie die Seilbahn auf den Dachstein standen still, ebenso die Standseilbahn auf den Grazer Schlossberg. Wegen Hochwassers war auch die Murpromenade gesperrt. Starke Windböen drohten am Grazer Hauptplatz den Maibaum umzuwerfen. Der Baum wurde von der Berufsfeuerwehr aus der Verankerung gehoben und „beiseite gelegt“. Am Wochenende, wenn das wettermäßig schlimmste überstanden sein dürfte, soll er wieder aufgestellt werden.

Zu einem Zwischenfall kam es im weststeirischen Salla: Ein Teil eines Kamins krachte von einem Haus auf einen Spielplatz. In der Gemeinde haben Schüler heute, Freitag, wegen umgestürzter Bäume schulfrei.

Wie heftig der Sturm war, bekam eine Frau bereits Mittwoch zu spüren. Die 18-Jährige war in der Südoststeiermark unterwegs, als eine Windböe ihren Wagen von der Fahrbahn wehte: Das Auto prallte gegen zwei Verkehrszeichen und blieb auf einem Acker stehen. Die Lenkerin wurde leicht verletzt.

Laut Prognosen bleibt es auch Samstag vorerst im gesamten Bundesgebiet trüb. Im Osten regnet es stark. In Vorarlberg, Tirol und Kärnten kommt die Sonne hervor. Sonntag wechseln sich Sonne mit Wolken und gewittrigen Regenschauern ab. Die Höchstwerte kratzen an der 20-Grad-Marke.

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