Der Papst ist bekannt fĂŒr Offenheit gegenĂŒber Sozialen Medien

© MIG-Pictures e.U./Michaela Greil

Vatikan
12/02/2017

Digitalisierung: Papst reformiert seine Medien

Die Katholische Glaubensgemeinschaft setzt auf Soziale Medien.

von Michaela Greil

Seit Beginn des Internetzeitalters bietet der Vatikan unter www.vatican.va Apostolische Schreiben, Gebete, Informationen zu Papstreisen und Bibeltexten an.

Der Papst mĂŒsse mit der Zeit gehen, um die Menschen weltweit zu erreichen. DarĂŒber sind sich die beiden Vatikan-Expertinnen Paloma GarcĂ­a Ovejero und Gudrun Sailer im GesprĂ€ch mit dem KURIER einig. Im Vatikan ist seit einiger Zeit eine mediale Aufbruchsstimmung spĂŒrbar, die langsam nach außen dringt. Mittels Medienreform werden neue Wege der VerkĂŒndigung und der Kommunikation mit den GlĂ€ubigen gesucht.

Kirche in digitaler Welt

Ein twitternder Papst Franziskus I. im TED-Talk, monatliche Videobotschaften im Netz und GlaubensApps sind mittlerweile weltweit bekannt. Die Digitalisierung bedeutet fĂŒr die Kirche, Botschaften fĂŒr viele Menschen zugĂ€nglich zu machen. Eine Parallele zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wird dort sichtbar, wo Glaubensinhalte fĂŒr die Bevölkerung in deren Muttersprachen ĂŒbersetzt wurden.

"Eine digitale Kirche ist dieselbe, reale Kirche in der digitalen Umwelt", sagt GarcĂ­a Ovejero.

Die Spanierin ist seit Juli 2016 stellvertretende Pressesprecherin und stellvertretende Leiterin im Vatikanischen Presseamt. Damit ist sie die erste Frau in diesen Positionen. "Die Kirche verbreitet seit 2000 Jahren dieselbe gute Nachricht: Gott hat seinen Sohn gesandt, der gestorben und auferstanden ist, um uns zu retten." Das einzige, das die Kirche geÀndert habe, seien die Instrumentarien und die Art, wie sie die Geschichte erzÀhlt.

"Jetzt sind wir in einem neuen technologischen Kommunikationssystem, das eine neue RealitĂ€t darstellt", meint GarcĂ­a Ovejero. Was man jetzt lernen mĂŒsse sei, mit den MĂ€nnern und Frauen in ihrer heutigen Sprache zu kommunizieren.

Nachrichten-Plattform

Sailer erzĂ€hlt: "Wir sind in einer grĂ¶ĂŸeren Medienreform, die erst angefangen hat." Die gebĂŒrtige Niederösterreicherin ist seit 14 Jahren Redakteurin bei Radio Vatikan. "Im Vatikan sind mehr als 4000 Angestellte, 650 davon arbeiten im Medienbereich. Der grĂ¶ĂŸte Bereich ist mit 320 Personen das, was heute nur noch nach außen Radio Vatikan heißt und die Marke schlechthin ist. Alle anderen verteilen sich auf Fernsehen, Pressesaal, Zeitung und die neue Überstruktur, das Sekretariat fĂŒr Kommunikation."

Am Sichtbarsten wird ein neues Portal sein, das mit 12. Dezember online gehen soll und vatikanische Medienangebote bĂŒndelt, meint Sailer. Einem Interview der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) auf katholisch.de mit dem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, zufolge soll die neue Nachrichtenplattform zusĂ€tzlich zu vatican.va aktiv sein und journalistisch aufbereitete Nachrichten von PR-Inhalten trennen.

GarcĂ­a Ovejero verspricht sich davon einen leichteren Zugang zu den Inhalten des Papstes. Das Portal wird laut Sailer multimedial und mehrsprachig. "DafĂŒr mĂŒssen viele EventualitĂ€ten mitgedacht werden fĂŒr die ungewisse technologische Zukunft." Dem Papst ist diese Reform ein Anliegen. Er selbst habe die Basis dafĂŒr festgelegt und die handelnden Personen ausgewĂ€hlt. Vor allem inhaltlich mĂŒsse noch gearbeitet werden, meint Sailer. Dem stimmt GarcĂ­a Ovejero zu. Man entscheide nach einer Situationsanalyse, welche Medien man in welcher Form verwende.

"Klar ist" laut Sailer, "dass wir in den Sozialen Medien stĂ€rker prĂ€sent sein mĂŒssen, weil da die nachkommenden Generationen sind. Wer heute 20 Jahre alt ist, lebt in diesen Medien." Sailer sieht hier einen großen Auftrag, die digitale Welt als katholisches und vatikanisches Medium positiv mitzugestalten. Mehr PrĂ€senz und Ressourcen seien wichtig. "Wir machen das im Moment nebenbei." Es brauche jemand Ausgebildeten, der Inhalte der Kirche gezielt platziert und prĂ€sentiert und nachfolgende Diskussionen moderiert. "In einer katholisch inspirierten Form von Kommunikation ist es nicht möglich, den Mensch zu ersetzen."

Dieser Beitrag entstand im Rahmen von eurotours 2017 – einem Projekt des Bundespressedienstes, finanziert aus Bundesmitteln.

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