Chronik | Österreich
18.04.2017

Die schwarze Mauer bröckelte: Landesrat geht doch

Christian Buchmann tritt nach Plagiatsaffäre zurück. ÖVP-Strategie, ihn zu halten, ging nicht auf.

Fast zwei Wochen brauchte Christian Buchmann, um aus dem, das er als "Schlampigkeitsfehler" abtat, doch Konsequenzen zu ziehen: Dienstagvormittag teilte er schriftlich mit, sein Amt als Landesrat aufzugeben. In der Landtagssitzung am kommenden Dienstag tritt der 54-Jährige offiziell zurück.

Nachfolgerin im Wirtschafts- und Tourismusressort wird Barbara Eibinger-Miedl, 37, Klubobfrau der ÖVP im Landtag. Offen ist, ob sie auch die Kulturagenden übernimmt.

Eine Plagiatsaffäre brachte Buchmann zu Fall: Am 5. April wurde bekannt, dass die Uni Graz Buchmanns Promotionsbescheid aberkennt. "Ich musste zu Kenntnis nehmen, dass ein Fehler vor 17 Jahren mehr wiegt als Leistungen in der Gegenwart und Ideen für die Zukunft", kommentierte Buchmann am Dienstag.

Dieser "Fehler" wog allerdings aus akademischer Sicht schwer. In Buchmanns 17 Jahre alter Dissertation waren nämlich zu viele Zitierfehler, als dass sie als bloße "Schlamperei" durchgehen konnten. Sie weise eine "Vielzahl von Verstößen" gegen die wissenschaftlichen Regeln auf, kurz: Buchmann wird vorgeworfen, Teile abgeschrieben zu haben. Er verteidigte sich: Er habe Trickserei nicht nötig, alles bloß "handwerkliche Fehler".

Buchmann informierte ÖVP-Landeschef Hermann Schützenhöfer am Montagabend von seinem Rücktritt. "Die Dinge, die sich da abgespielt haben, waren eine schwere Zeit für ihn und auch für mich als Obmann der ÖVP", betonte der Landeshauptmann gestern nach einer Sitzung seines Parteivorstandes. "Aber Ostern ist die Zeit der Auferstehung." Zuvor hatte die ÖVP noch die Mauer gemacht und die Schuld an der Plagiatsaffäre überall gesucht, nur nicht bei Buchmann selbst: So wetterte der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl gegen "bezahlte Kopfgeldjäger" und "anonyme politische Heckenschützen".

15 Seiten Eigenleistung

Doch je mehr Details der Gutachten und des Uni-Bescheides bekannt wurden - so sollen letztlich bloß 15 Seiten als Eigenleistung der Doktorarbeit gelten - , desto mehr begann die schwarze Mauer zu bröckeln. Zuletzt weigerte sich ein hochrangiger Wirtschaftskammer-Funktionär gar, ein "Solidaritätsschreiben" für den Landesrat zu unterzeichnen. Das Schriftstück kam übrigens vom Wirtschaftsbund, dessen Obmann Buchmann ist. Dass er auch dieses Amt zurücklegt, galt Dienstag als wahrscheinlich; das Gremium tagte erst abends.

Parteichef Schützenhöfer versicherte, der Rücktritt sei alleine Buchmanns Entscheidung gewesen. "Möglicherweise sind Dinge passiert, die sein Nervenkostüm angegriffen haben." Die Strategie, Buchmann halten zu wollen, sei aber richtig gewesen. "Ich glaube schon, dass wir es durchgestanden hätten", sinnierte Schützenhöfer. "Ich habe mit Blick auf seine Bilanz angenommen, dass die Menschen sehen, welche gute Arbeit er geleistet hat."

Vertreter der anderen Parteien kommentieren den Rücktritt emotionslos: SPÖ-Vizelandeshauptmann Michael Schickhofer nannte dies "richtige Entscheidung", die gleiche Wortwahl traf Grünen-Chef Lambert Schönleitner. FPÖ-Chef Mario Kunasek sprach vom "einzig logischen Schritt".