Chronik | Österreich
27.10.2017

Die problematische Rückkehr der Wölfe: Jäger wollen klare Regeln

Offiziell lebt ein Dutzend Tiere in Österreich. Jäger berichten von deutlich mehr.

Kein Wildtier sorgt in der heimischen Jägerschaft für mehr Konfliktstoff als der Wolf. Dabei sind es laut Wolfsanwalt nur rund ein Dutzend Tiere, die aktuell in Österreich leben. Der Salzburger Landesjägermeister Maximilian Mayr-Melnhof gehört zu denjenigen, die die Situation "sehr skeptisch" sehen. Und er vermisst klare Richtlinien im Umgang mit den Raubtieren. "Wir verlangen eine Entscheidung, wie viele Wölfe wir uns in Österreich leisten können und wollen", erklärt Mayr-Melnhof.

150.000 Euro – so viel kostet laut dem Landesjägermeister jeder Wolf. "Diese Zahlen hat man in der Schweiz und in Frankreich errechnet, treffen aber auch auf uns zu." Als Kosten werden etwa Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Hunde gerechnet, dazu kommen Schäden aus Rissen und die Kosten für Wolfsbeauftragte.

Auch bei ihm hätte bereits ein Wolf Schäden angerichtet. "Ein Tier ist in eine Koppel eingedrungen und hat zwei Schafe gerissen." Zudem hält sich laut lokalen Jägern ein vierköpfiges Rudel im Bundesland auf – zuletzt wurde es im Spätsommer gesichtet. Doch diese Sichtungen dürften nicht an die zuständigen Stellen gemeldet worden sein – Wolfsanwalt Georg Rauer hat diese Meldung jedenfalls nicht erreicht. "Die letzten Nachweise aus Salzburg stammen aus dem Jahr 2015", sagt er.

Einzelgänger

Die offiziellen Wolfszahlen sind jedenfalls überschaubar: Ein Rudel lebt am Truppenübungsplatz in Allentsteig. Das Wolfspaar und der sechsköpfige Nachwuchs befinden sich fix im Waldviertel. Wie viele Jungtiere aus dem Vorjahr noch in der Region sind, ist unklar. Zudem gibt es Meldungen über einen Wolf im Grenzraum von Oberösterreich und Niederösterreich. Ein weiterer Einzelgänger wandert zwischen dem Mittelburgenland und Sopron hin und her. Je ein weiterer Wolf wurde bei der Koralm (Grenze Kärnten/Steiermark), in Tirol und in Vorarlberg gemeldet.

Wie viele Wölfe Österreich verträgt, ist umstritten. "Das ist eine politische Entscheidung", sagt Wolfsanwalt Rauer. "Es hängt davon ab, wie man mit dem Thema umgeht. Nahrung und Plätz gibt es jedenfalls genug."

Genau das macht Mayr-Melnhof Sorgen. "Allein bei uns gibt es 246 Rotwild-Fütterungen. Das bedeutet einen gedeckten Tisch für Wölfe."

Und er sorgt sich auch um den Tourismus. Almwirtschaft sei dann nur noch mit Schutzmaßnahmen möglich – und auch die haben ihre Tücken. "Zäune schneiden die Wege ab. Hütehunde verteidigen ihre Herde gegen alle Eindringlinge. Sie unterscheiden nicht zwischen Wolf und Labrador." Und schließlich fürchtet Mayr-Melnhof auch Wolfsangriffe auf Menschen.

Die Rückkehr des Wolfs sei eine Angelegenheit, die europaweit gelöst werden sollte, meint Mayr-Melnhof. "Für Österreich braucht es klare Regeln, wo wir den Wolf akzeptieren und wo nicht."