Chronik | Österreich
29.01.2018

Die Karlau kommt nicht zur Ruhe

Elf Beamte verletzt: Häftling setzte Zelle in Brand, ein anderer randalierte. Zusammenhang ist möglich.

Zwei Vorfälle mit verhaltensauffälligen Insassen aus Tschetschenien am vergangenen Wochenende lassen in der Justizvollzugsanstalt Graz-Karlau die Alarmglocken schrillen. Die Gefängnisleitung prüft nun, ob es zwischen den Taten, bei denen insgesamt elf Beamte verletzt wurden, Zusammenhänge gibt.

Am Samstag gegen acht Uhr war ein 23-jähriger und als schwierig bekannter Häftling ausgerastet, hatte die Einrichtung seiner Zelle demoliert und damit die Aufmerksamkeit der Wachleute erregt. Im Rahmen der Überstellung in einen anderen Raum hatte der Tschetschene die Beamten attackiert, einem sogar eine blutige Bisswunde zugefügt. Die Bilanz: fünf verletzte Wachbeamte, ein Häftling, der unverletzt geblieben war.

Zelle brannte aus

In der Nacht auf Montag um 1.20 Uhr machte ein anderer Insasse, 20 Jahre alt und ebenfalls aus Tschetschenien, durch Klopfen und Schreien auf sich aufmerksam. Sechs Beamte schritten ein, als sie erkannten, dass die Einzelzelle in Flammen stand. Nach Angaben der Polizei dürfte der Täter mit einem Feuerzeug den Inhalt seines Kleiderschrankes in Brand gesetzt haben.

Der Tschetschene, der schon etliche Ausbruchversuche unternommen hat, wurde aus der Zelle gerettet, die Betriebsfeuerwehr löschte den Raum, der völlig ausbrannte. Die Bilanz: Die sechs Wachbeamten sowie der Häftling wurden mit leichten Rauchgasvergiftungen ins LKH Graz eingeliefert.

Die Häftlinge sind nun laut Gefängnisleitung in besonders gesicherten Einzelzellen untergebracht. "Und wir überprüfen, ob es zwischen den Fällen einen Zusammenhang gibt. Fakt ist, dass es sich bei beiden um als schwierig geltende Häftlinge mit tschetschenischer Staatsbürgerschaft handelt. Dass sie sich kennen, ist durchaus möglich", sagt Josef Mock, der Leiter der Justizanstalt. Und zur Häufung der Taten im Gefängnis? "Ich sehe eher keine Konzentration. Bei 550 Insassen mit schweren Gewaltdelikten als Hintergrund kann immer etwas passieren. Untersuchungen laufen ."

"Versuchter Mord"

Am Wiener Landesgericht wird am Donnerstag in einem ähnlich gelagerten Fall der Geschworenenprozess gegen einen 34-jährigen Algerier wiederholt, der am 16. Oktober 2016 seine Zelle in der Justizanstalt Josefstadt angezündet hatte. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, denn der Algerier hatte in einem Vier-Personen-Haftraum eine Matratze angezündet, um seine Verlegung in eine andere Zelle zu erzwingen. Bei dem Brand wurden die drei Mitgefangenen schwer verletzt; elf Justizwachebeamte erlitten Rauchgasvergiftungen. Der Algerier war bereits im August 2017 vor Geschworenen gestanden, die Berufsrichter hatten deren Urteil aber wegen eines Irrtums der Geschworenen ausgesetzt.