Chronik | Österreich
27.01.2018

ÖVP Tirol: Die Angst vor der guten Stimmung

Günther Platter mit fast 100 Prozent als ÖVP-Parteichef bestätigt. Er warnt er vor Siegessicherheit.

Die große Halle der Innsbrucker Olympiaworld ist in einen schwarzen Kubus verwandelt. Es gibt ein paar Einsprengsel in Rot – der Parteifarbe der Tiroler Volkspartei. Türkis sucht man auf diesem Parteitag vergeblich, auch wenn Bundeskanzler Sebastian Kurz in der ersten Reihe sitzt. Es gehört zum Selbstverständnis der Landespartei, ihre Eigenständigkeit zu betonen. Landeshauptmann Günther Platter bemüht denn auch die Klischees vom "sturen Tiroler", der sich nicht gerne etwas vorschreiben lässt. "Wir werden unseren eigenen Weg gehen, unabhängig von Wien oder Brüssel", sagt der Landesparteichef am Samstagmorgen vor rund 2000 Anhängern. "Natürlich wird es da oder dort einen Konflikt geben", sagt Platter Richtung Kurz zum Verhältnis Bund-Land.

Bescheidenes Wahlziel

ÖVP-Bundesobmann Kurz lässt dem Landeshauptmann in seiner Rede die Rolle eines Königsmachers zukommen. "Günther Platter hat mich als erster nach dem Rücktritt von Reinhold Mitterlehner angerufen und gesagt: Sebastian, jetzt musst du das machen." Bei der Nationalratswahl hat die Tiroler ÖVP dem neuen Chef mit 38,43 Prozent das beste türkise Landesergebnis beschert. Auch die Vorzeichen für die Landtagswahl am 25. Februar stehen gut. Die Partei hat das Überspringen der 40-Prozent-Marke, unter die sie 2013 knapp gerutscht war, als bescheidenes Ziel ausgegeben. Die mögliche Siegessicherheit der Anhänger bereitet den Parteistrategen die größten Sorgen.

"Die Stimmungslage ist nicht schlecht, wir haben aber die Wahl noch nicht gewonnen", warnt deshalb auch Platter und ruft zur Mobilisierung auf. Anders als bei den letzten beiden Landtagswahlen, bei denen jeweils VP-Abspaltungen zur Konkurrenz gerieten, fehlt es dieses Mal an Reibebäumen. "Wegen einer guten Bilanz wird man nicht gewählt", sagt Platter. Und streicht trotzdem gerade die beim Wahlkampfauftakt besonders hervor: die gute Beschäftigungslage, die wachsende Wirtschaft und die gute Finanzlage des Landes.

Den Mitbewerbern, die bereits vor schwarz-blauer Sozialkälte warnen, versucht Platter den Wind aus den Segeln zu nehmen. "Wir sind eine christlich-soziale Partei. Wir wollen allen die gleichen Chancen geben", sagt der Landeshauptmann. "Leistbares Wohnen" bezeichnet er als eine der größten Herausforderungen. Konkrete Lösungen bleibt er in diesem, aber auch vielen anderen, Themenfeldern schuldig. Im Transitstreit mit den "lieben bayerischen Freunden" lässt Platter erneut die Muskeln spielen: "Jetzt ist Schluss mit lustig." Das kommt an. Am Ende wird er mit 99,2 Prozent wieder zum Chef seiner Partei gewählt. Die setzt voll auf die Zugkraft des Landeshauptmanns in einem Wahlkampf, der gerade einmal vier Wochen dauern wird.