Chronik | Österreich
23.03.2017

Der Weg einer Radikalisierung

Von Wien nach Rakka: Wie Mahmoud zu Usama al-Gharib wurde.

Mohamed Mahmoud wird im Juni 1985 in Wien als erster Sohn des Imams Sami Mahmoud geboren. Dieser lehrt in der rund 240 Quadratmeter großen Sahaba-Moschee in der Lindengasse – in einem Haus, das einem oscarnominierten Österreicher gehört. Über die Rolle, die der Vater damals spielt, gibt es unterschiedliche Aussagen. Die einen halten ihn für radikal, sogar eine Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft wird ihm unterstellt. Er selbst zeigte dem KURIER Pamphlets, in denen er Osama bin Laden ebenso verurteilt wie die Muslimbrüder. Er bestreitet entschieden, jemals ein Radikaler oder Muslimbruder gewesen zu sein.

Fest steht, dass es rund um die Sahaba-Moschee zur ersten Entfremdung von Mahmoud und seiner Familie kommt. Mahmoud war zuvor in einer saudi-arabischen Privatschule in Floridsdorf und besucht danach eine Hauptschule – dort lernt er mit 12 Jahren erstmals Deutsch. Er fühlt sich als Fremder, weswegen er später den Kampfnamen Usama (nach bin Laden) al-Gharib ("der Fremde") annehmen wird. In der Sahaba-Moschee unterrichtete auch Ebu Muhammad, der im Februar im Zuge einer riesigen Anti-Terror-Aktion in Wien verhaftet wird.
2003 ist Mahmoud jedenfalls volljährig und sein geistiger Führer, Abu Omar, wird in Mailand auf offener Straße von der CIA entführt. Danach fährt Mahmoud erstmals nach Syrien und in den Irak. Er behauptet, dort in einem El-Kaida-Camp gewesen zu sein. Wieder in Wien zurück, kommt es in der Sahaba-Moschee zu Auseinandersetzungen mit anderen Aktivisten. Diese halten bin Laden für zu wenig radikal. Mahmoud gründet erst die "islamische Jugend Österreichs" und danach die Globale Islamische Medienfront (GIMF), um bin Laden zu huldigen. Beide Organisationen bestehen aus ihm und seiner damaligen Frau Mona S. Hier nimmt Mahmoud seinen Kampfnamen al-Gharib an.

Erste Drohvidoes

Ab 2006 versucht er Journalisten zu kontaktieren, im ORF outet er sich als Urheber eines Drohvideos und gerät so ins Visier der Polizei. Es wird ein "Trojaner" eingesetzt, um seinen PC auszuspionieren. Als er Infos zu einem Terroranschlag während der EURO 2008 sammelt, wird er verhaftet. Nachdem er zu vier Jahren Haft verurteilt wird, versuchen die Entführer zweier Österreicher in der Sahara, ihn freizupressen.

Bereits in Haft knüpft Mahmoud Kontakte zum deutschen Rapper "Deso Dogg" (alias Daniel Cuspert). Sie gründen die Salafistensekte Millatu Ibrahim, die in Deutschland verboten wird. Doch seither gilt Mahmoud als Popstar der Szene.

Auf der Flucht nach Syrien verbrennt Mahmoud 2013 seinen österreichischen Pass und wandert in der Türkei in Haft. 2014 wird er entlassen und flieht nach Syrien. Dort erschießt er 2015 bis zu acht Menschen (vermutlich Soldaten der Armee) und heiratet Aham Al-Nasr – sie gilt als die prominenteste IS-Hetzerin und -autorin. Gemeinsam gründen sie offenbar al-hayat, die IS-Medienstelle.