Chronik | Österreich
12.04.2017

Der Osterhase bringt Sturmgewehre

Auf vier Wiener Ostermärkten patrouilliert die Polizei seit gestern schwer bewaffnet.

Der Tag für die Standler auf den Wiener Ostermärkten läuft gut. Das milde Wetter hat viele Besucher angelockt. Sie flanieren zwischen den Ständen, trinken ein Achterl Wein. Manche zucken jedoch kurz zusammen, wenn sie bemerken, dass nur wenige Meter entfernt zwei schwer bewaffnete Polizisten stehen.

Seit Mittwoch werden einige Ostermärkte in Wien von der Polizei bewacht. Konkret betroffen sind die Märkte Am Hof, auf der Freyung, am Kalvarienberg und vor dem Schloss Schönbrunn. "Natürlich ist das eine Anti-Terror-Maßnahme", sagt Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Nach den Vorkommnissen in Dortmund wurde die Sicherheitsstufe erhöht.

Schutzwesten

Das Ergebnis: Die Ostermärkte werden nun von je zwei Polizisten beobachtet – mit Sturmgewehr und Schutzweste. Ein Szenario, das speziell Touristen gar nicht fremd scheint. Ein asiatisches Paar lächelt die Polizisten am Hof an und will ein gemeinsames Foto ein. Mit Erfolg. Bei heimischen Besuchern und Standlern sorgt die Anwesenheit der Beamten für gemischte Gefühle. "Langsam wird das ja zur Normalität", sagt Wolfgang Hölzl. "Aber ich wundere mich schon. Es ist ja grundsätzlich gut, wenn die Polizei da ist, aber zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", meint seine Frau Isabella. Dass mancherorts, wie zum Beispiel in Schönbrunn, Poller installiert wurden, um Anschläge mit Lkw zu verhindern, halten sie für wenig wirkungsvoll. "Was soll ein kleiner Poller gegen einen großen Lkw ausrichten?", fragt sich Herr Hölzl. "Da geht es wohl mehr um die Psychologie."

Poller

Speziell die Poller sind nur an wenigen Standorten im Einsatz. "Das wird lokalspezifisch entschieden. Am Hof etwa könnten wir sie gar nicht aufstellen – da muss ja auch die Feuerwehr ständig ein- und ausfahren können", erklärt Polizeisprecher Keiblinger.

Die Maßnahme betrifft auch kleinere Ostermärkte. Die allerdings werden von den zuständigen Polizeibeamten nur im Rahmen ihrer Streifentätigkeit häufiger besucht.

Inge Kukla verkauft Lederwaren am Ostermarkt Am Hof. "Heute hab’ ich mich schon gewundert, wie ich die Polizisten gesehen habe", sagt sie. Auf der einen Seite fühle sie sich dadurch beschützt. Auf der anderen erzeugt die Maßnahme Unbehagen. "Gestern habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Jetzt natürlich schon. Ich frage mich schon, wie lange es dauert, bis so ein Anschlag bei uns passiert."

In Wien werden die bewaffneten Polizisten bis zum Ende der Ostermärkte im Einsatz sein. "Wir tun im Vorfeld alles, was möglich ist. Unsere Beamten sind für den Ernstfall geschult. Aber einen 100-prozentigen Schutz kann es nicht geben", sagt Keiblinger.

Auch in anderen Bundesländern ist rund um Ostern mehr Polizei im Einsatz. Etwa in Salzburg (auch im Hinblick auf die Osterfestspiele) und in Innsbruck.