Der Grüne See wirkt wie ein Magnet

Grüner See…
Foto: /Steiermark Tourismus/ikarus.cc Der Grüne See ist ein Naturschauspiel: Zu jeder Jahreszeit ist sein Wasserpegel anders, am höchsten ist er nach der Schneeschmelze.

100.000 Besucher beim Naturschutzjuwel in Tragöss. Doch was hat Ashton Kutcher damit zu tun?

Hört Gerald Wenninger den Namen Ashton Kutcher, wirkt es, als wollte der Wirt am liebsten die Augen verdrehen. Aber er belässt es dann doch lieber bei einem schiefen Grinsen: "Schuld ist der nicht. Schon seit drei, vier Jahren haben wir einen enormen Aufschwung. Aber er hat’s halt gepostet ..."

Und wie es Kutcher gepostet hat: Ein malerisches Foto, ein paar Anspielungen auf das "echte Atlantis". Das gab dann 81.000 Facebook-Likes binnen Tagen: Der Grüne See im obersteirischen Tragöss-St. Katharein verbreitete sich virtuell weitere 15.000 Mal, so viele teilten nämlich das Foto des US-Schauspielers auf ihren Seiten.

"Der Boom ist nicht so plötzlich gekommen, wie da jetzt getan wird", versichert Wenninger, der auch Tourismusobmann ist. "Im Vorjahr haben wir 100.000 Besucher gehabt, heuer werden es sicher mehr."

An Feiertagen und starken Wochenenden können es dann schon einmal 4000 bis 6000 Gäste werden. "Das ist dann für uns auch nicht mehr so lustig", gesteht Wenninger ein. Da sind nämlich bis zu drei Mal so viele Besucher in der Gegend als die Gemeinde überhaupt an Einwohnern hat. "Es gibt dann schon auch Bürger, die sagen, dass es ihnen nicht so wirklich gefällt, wenn am Sonntagvormittag Tausende Autos an ihrem Garten vorbeifahren", sagt Bürgermeister Hubert Zinner.

Auch so mancher Tagestourist selbst stoße sich an den Blechkolonnen in Seenähe. "Ich hab’ schon Mails bekommen, in denen Leute schreiben, wir haben die Idylle gesucht, aber Massen gefunden", so Zinner. "Es ist halt ein zweischneidiges Schwert. Wenn man Rückenwind bekommt, schiebt er so stark an, dass man es fast nicht mehr bewältigen kann." Der See steht unter Naturschutz, das Areal selbst ist Naturschutzgebiet. Heuer noch soll ein neues Tourismus-Konzept erarbeitet werden. "Wir nehmen uns als Gemeinde vor, Infrastruktur zu bieten", betont Zinner. "Es ist ja wirklich einer der schönsten Plätze Österreichs."

"Karibik der Alpen" - der Grüne See:

Lage. Im steirischen Tragössertal, am Fuße der Hochschwabgruppe, gelegen, wird der Grüne See auch Karibik der Alpen genannt.
  Pegelstand. Da es sich um einen reinen Schmelzwassersee handelt, ist die Wassertiefe von der Schneemenge des vergangenen Jahres abhängig. Ab April beginnt sich der Grüne See zu füllen, bis er zu Pfingsten seinen Höchststand, max. 11 Meter, erreicht. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 9 Meter. Bänke, Wege und Brücken, über die man im Winter spazieren kann, werden überflutet. Auch Bäume stehen teilweise unter Wasser. Schützenswert. Seit Oktober 2009 ist der Grüne See Naturschutzgebiet. Ziel ist es, seinen ursprünglichen Zustand und Charakter zu erhalten. Farbenspiel. Durch die Steine im See bricht sich das Licht, und das von Natur aus farblose Wasser schimmert in unzähligen Grün- und Blautönen. Die Farbe des Sees variiert aber auch je nach Lichteinfall, Tageszeit und Standort. Unterwasser. Tauchen ist am Grünen See mit Einschränkungen erlaubt und dazu auch noch ein äußerst schönes Erlebnis. Unter Wasser reicht die Sichtweite bis zu 50 Meter. Die Tauchsaison ist aber sehr kurz. Nur von ca. Mitte Mai bis Mitte Juni gibt es optimale Bedingungen. Auch sollten sich Taucher warm anziehen. Sogar im Hochsommer beträgt die Wassertemperatur maximal 12° C. Wandelbar. Im Laufe des Sommers sinkt der Wasserstand wieder, und der See trocknet fast vollständig aus. Jedes Jahr aufs Neue lässt sich die Verwandlung des Grünen Sees beobachten. Sportlich. Schwimmen ist im Grünen See nicht möglich. Dafür sind Wanderungen rundherum und in seiner faszinierenden Umgebung sehr beliebt. Wanderweg. Um den See in seiner ganzen Vielfalt zu erleben, bietet sich die Wanderung "Rund um den Grünen See" an. Mit ca. 3,6 Kilometern und einer Dauer von etwa 1 ½ Stunden ist die Strecke auch für Familien mit Kindern geeignet. Die beste Jahreszeit für die Wanderung ist von April bis Oktober. Startpunkt ist der Parkplatz "Grüner See". Von dort aus geht es entlang der Fahrstraße bis zum Pfarrteich. Dann Richtung Kreuzteich abbiegen, wo ein Abstecher zum Quellensteig, mit seinem Wasserrad, gemacht werden kann. Anschließend folgt man dem Forstweg bis zum Gasthof "Seehof". Dort entlang des Seesteiges rund um den Grünen See spazieren, bis bei der Emmaquelle wieder der Forstweg erreicht wird, der zurück zum Parkplatz führt. Romantisch. Vor allem im Frühjahr ist der See ein beliebter Ausflugsort für verliebte Pärchen. Einige der Fotos wurden vom Tauchlehrer und professionellen Unterwasserfotograf Heinz Toperczer zur Verfügung gestellt, der die schönsten Flecken des Sees abgelichtet hat.

Filmkulisse

Das sehen auch Taucher und Fernsehleute so. In der Kulisse entstehen Dokumentationen und Heimatfilme, allein heuer drehten sieben Teams aus Japan, Italien, Deutschland, den Niederlanden und den USA am See. Bis Mitte Juli wurde etwa an einem Heimatfilm gearbeitet. "So etwas bringt dann auch für Tragöss etwas, weil es erwähnt wird", betont Tourismusobmann Wenninger.

Mit seiner Sichtweite von bis zu 50 Metern gilt der Grüne See als beliebtes Plätzchen unter Tauchern, 2500 waren zuletzt hier. Nach der Schneeschmelze steigt das smaragdgrün funkelnde Wasser. Heuer etwa auf 8,6 Meter. Es überflutet Stege, Wanderwege und Bänke, Taucher knipsen eine versunkene Welt. So ein Foto war es übrigens, über das der Ashton Kutcher stolperte: Ein Schweizer Fotograf gewann mit Unterwasseraufnahmen einen Wettbewerb eines US-Reisemagazins. Mit Kutchers Posting ging eines seiner Bilder dann um die Welt.

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(kurier) Erstellt am
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