Chronik | Österreich
27.07.2015

Der Grüne See wirkt wie ein Magnet

100.000 Besucher beim Naturschutzjuwel in Tragöss. Doch was hat Ashton Kutcher damit zu tun?

Hört Gerald Wenninger den Namen Ashton Kutcher, wirkt es, als wollte der Wirt am liebsten die Augen verdrehen. Aber er belässt es dann doch lieber bei einem schiefen Grinsen: "Schuld ist der nicht. Schon seit drei, vier Jahren haben wir einen enormen Aufschwung. Aber er hat’s halt gepostet ..."

Und wie es Kutcher gepostet hat: Ein malerisches Foto, ein paar Anspielungen auf das "echte Atlantis". Das gab dann 81.000 Facebook-Likes binnen Tagen: Der Grüne See im obersteirischen Tragöss-St. Katharein verbreitete sich virtuell weitere 15.000 Mal, so viele teilten nämlich das Foto des US-Schauspielers auf ihren Seiten.

"Der Boom ist nicht so plötzlich gekommen, wie da jetzt getan wird", versichert Wenninger, der auch Tourismusobmann ist. "Im Vorjahr haben wir 100.000 Besucher gehabt, heuer werden es sicher mehr."

An Feiertagen und starken Wochenenden können es dann schon einmal 4000 bis 6000 Gäste werden. "Das ist dann für uns auch nicht mehr so lustig", gesteht Wenninger ein. Da sind nämlich bis zu drei Mal so viele Besucher in der Gegend als die Gemeinde überhaupt an Einwohnern hat. "Es gibt dann schon auch Bürger, die sagen, dass es ihnen nicht so wirklich gefällt, wenn am Sonntagvormittag Tausende Autos an ihrem Garten vorbeifahren", sagt Bürgermeister Hubert Zinner.

Auch so mancher Tagestourist selbst stoße sich an den Blechkolonnen in Seenähe. "Ich hab’ schon Mails bekommen, in denen Leute schreiben, wir haben die Idylle gesucht, aber Massen gefunden", so Zinner. "Es ist halt ein zweischneidiges Schwert. Wenn man Rückenwind bekommt, schiebt er so stark an, dass man es fast nicht mehr bewältigen kann." Der See steht unter Naturschutz, das Areal selbst ist Naturschutzgebiet. Heuer noch soll ein neues Tourismus-Konzept erarbeitet werden. "Wir nehmen uns als Gemeinde vor, Infrastruktur zu bieten", betont Zinner. "Es ist ja wirklich einer der schönsten Plätze Österreichs."

"Karibik der Alpen" - der Grüne See:

Grüner See: Tauch- und Wanderparadies

1/14

Grüner See

Grüner See Schnee

Grüner See

Grüner See Naturschutz

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Grüner See

Filmkulisse

Das sehen auch Taucher und Fernsehleute so. In der Kulisse entstehen Dokumentationen und Heimatfilme, allein heuer drehten sieben Teams aus Japan, Italien, Deutschland, den Niederlanden und den USA am See. Bis Mitte Juli wurde etwa an einem Heimatfilm gearbeitet. "So etwas bringt dann auch für Tragöss etwas, weil es erwähnt wird", betont Tourismusobmann Wenninger.

Mit seiner Sichtweite von bis zu 50 Metern gilt der Grüne See als beliebtes Plätzchen unter Tauchern, 2500 waren zuletzt hier. Nach der Schneeschmelze steigt das smaragdgrün funkelnde Wasser. Heuer etwa auf 8,6 Meter. Es überflutet Stege, Wanderwege und Bänke, Taucher knipsen eine versunkene Welt. So ein Foto war es übrigens, über das der Ashton Kutcher stolperte: Ein Schweizer Fotograf gewann mit Unterwasseraufnahmen einen Wettbewerb eines US-Reisemagazins. Mit Kutchers Posting ging eines seiner Bilder dann um die Welt.

Mehr zum Thema:

Warum wir den See lieber als das Meer mögen