Schüller als ungehorsames "Christkind"

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Foto: jürg christandl Schüller denkt nicht ans Aufgeben: Der Ungehorsam sei „unbequem“, aber notwendig. Der Gehorsam werde oft fürs „Nichtstun“ missbraucht.

Der Kirchenrebell Helmut Schüller feiert am 24. Dezember seinen 60. Geburtstag

Jö, ein Christkind! – Das kommt wie das Amen im Gebet, wenn Helmut Schüller sein Geburtsdatum nennt. Morgen, am 24. Dezember, feiert der als Kirchenrebell bekannte Pfarrer von Probstdorf in Niederösterreich seinen 60. Geburtstag.

Sein besonderes Geburtsdatum sieht er nur positiv, trotz der Sticheleien. „Jeder, der das Geburtsdatum 24. Dezember hört, hat zumindest kurz ein Lächeln im Gesicht, sogar der ärgste Bürokrat in einem Amt.“ Auch Schüller ist das Lachen nicht vergangen, obwohl sein langer Kampf für Reformen in der Kirche bisher keine konkreten Ergebnisse gebracht hat. „Er ist immer noch ein bisschen spitzbübisch“, sagt Caritas-Präsident Franz Küberl über seinen Vorgänger.

Mit dieser Art kann Schüller bei vielen Kollegen und Gläubigen punkten, bei der Amtskirche aber nicht – vor allem nicht bei seinem früheren Mentor Kardinal Christoph Schönborn. Vor sechs Jahren gründete der Kirchenrebell die Pfarrerinitiative, der „Aufruf zum Ungehorsam“ im Vorjahr sorgte für viel Aufmerksamkeit und Unruhe in der Kirche. Der Papst rügte die Gruppe, Schönborn drohte wiederholt mit Konsequenzen, sollte der Aufruf nicht zurückgenommen werden. Vor Kurzem entzog Rom Schüller den Ehrentitel Monsignore.

Buchpräsentation/Schönborn-Schüller Foto: APA/Techt Hans Der Rebell war einst der engste Mitarbeiter von Kardinal Schönborn

 

 

 

 

Gerechtigkeitssinn

Was treibt diesen Mann an?„Ich glaube, dass er einen ungeheuren Gerechtigkeitssinn hat, den er immer mehr geschärft hat. Die Caritas ist dafür eine sehr gute Schule“, meint Küberl.

Schüller war Wiener Caritas-Direktor und Präsident der Caritas-Österreich. 1993 schickte ihm Franz Fuchs eine Briefbombe, die aber rechtzeitig entdeckt wurde. 1995 machte ihn Schönborn zum Generalvikar – zu seinem engsten Mitarbeiter – und setzte ihn 1999 wieder ab. Das Kündigungsschreiben wurde Schüller nachts vor die Wohnungstür gelegt. Das sei „menschlich schwierig“ gewesen, sagt Schüller. „Ich bin ja auf ausdrücklichen Wunsch des Erzbischofs Generalvikar geworden und schweren Herzens von der Caritas weggegangen.“

„Für Helmut ist klar: Leben heißt hinfallen und wieder aufstehen“, sagt sein jüngerer Bruder, der ORF-Journalist Christian Schüller.

Die Familie sei „nicht begeistert gewesen, dass Helmut Priester werden wollte. Ich habe mich gefragt, wie jemand, der so offen ist wie er, in eine Institution passt, die so viel verdrängt wie die Kirche“, erzählt der Bruder.

Helmut Schüller ist ein guter Priester geworden, davon ist Küberl überzeugt. Er bezeichnet ihn als „Intellektuellen mit hoher seelsorgerischer Kreativität“. Auch der Pastoraltheologe Paul Zulehner nennt ihn einen „hervorragenden Seelsorger. Das weiß auch der Kardinal.“ Gegen das Verdrängen hat er schon früher offen angekämpft – als Leiter der kirchlichen Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs.

Zu unbequem

Aber er passt tatsächlich nicht in die offizielle Amtskirche – statt zu gehen, wie es viele tun, will er verändern. Mit dem Aufruf zum Ungehorsam ist er bewusst „unbequem“. Das kommt auch bei reformfreudigen Klerikern nicht immer gut an. Der frühere Wiener Weihbischof Helmut Krätzl etwa kritisierte in einem KURIER-Interview, dass Schüller die Frauenweihe gleichwertig mit anderen Reformwünschen vertrete. Damit könnten andere Themen untergehen.

Zuletzt gab es Differenzen mit der Laienorganisation „Katholische Aktion“. Als die Pfarrerinitiative mehr Zusammenarbeit mit den Laien ankündigte, verbat sich die neue KA-Präsidentin Gerda Schaffelhofer – eine Studienkollegin Schüllers – die „Vereinnahmung der Laien“. Schüller wundert sich über „diesen Ton“, ist aber überzeugt, dass die Laien hinter ihm stehen: „Wenn die Aufregung abgeebbt ist, werden wir uns zusammensetzen.“

Pragmatisch war er schon als Kind, wenn es um die Geschenke ging. „Meine Eltern waren immer sehr fair: In der Früh bekam ich das Geburtstagsgeschenk, am Abend das Weihnachtsgeschenk. Manchmal habe ich eine Fusionierung vorgeschlagen, um ein etwas größeres Geschenk zu bekommen.“ Heute hat das besondere Geburtsdatum für ihn eine andere Bedeutung: „Wenn man an seinem Geburtstag ein zentrales Geheimnis des Glaubens feiern darf, dann ist das schon was.“

(KURIER) Erstellt am
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