© KURIER/Stephan Boroviczeny

Kärnten
05/20/2016

Cobra stürmt falsche Wohnung

Beamte standen mit Pistolen im Anschlag beim Nachbarn. Polizei entschuldigt sich.

von Thomas Martinz

Spannender als erwartet verlief der Fernsehabend einer vierköpfigen Familie am Mittwoch in Klagenfurt: Um 22 Uhr stürmten fünf Mann der Spezialeinheit Cobra die Wohnung eines Ehepaars, das mit den minderjährigen Kindern in einem Mehrparteienhaus lebt. Die Eingangstür wurde bei dem Zugriff mit einem Rammbock aufgebrochen, die Beamten hatten Pistolen im Anschlag. Weil ihnen die Lage der Wohnung falsch beschrieben worden war, waren sie bei den nichts ahnenden Nachbarn ihrer eigentlichen Zieladresse gelandet.

Freitagmittag erhielt die betroffene Familie neuerlich Besuch von der Exekutive. Eine Abordnung der Stadtpolizei und der Cobra wurde vorstellig, um sich für den Einsatz, die Umstände sowie für die aufgebrochene Tür zu entschuldigen. "Die Familie hat natürlich einen ordentlichen Schreck erlitten. Zum Glück hielten sich die Kinder während des Zugriffs in ihren Zimmern auf, aber sie haben das Theater mitbekommen. Wir haben psychologische Unterstützung angeboten, was vorerst abgelehnt wurde. Die Familie hat sich gefasst und gefangen. Die beschädigte Türe wird von der Polizei ersetzt. Nachdem wir die Umstände erklärt haben, hat die Familie Verständnis für den Einsatz gezeigt", sagt Polizeisprecher Rainer Dionisio.

Mit dem Tod bedroht

Die Umstände waren tatsächlich außergewöhnlich, denn die Cobra hatte es auf einen anderen Hausbewohner abgesehen: einen 29-Jährigen, der im Verdacht steht, am Mittwoch seine Ehefrau gewürgt und geschlagen zu haben. Außerdem soll er der Frau gedroht haben, sie und den gemeinsamen dreijährigen Sohn umzubringen, wenn sie Anzeige erstatte. Nach mehr als vier Stunden konnte sich die Frau aus der Wohnung schleichen und zur nächstgelegenen Polizeistation flüchten. Ihren Sohn ließ sie zurück.

"Die Frau hat den Beamten auf der Polizeiinspektion auf Slowenisch und Englisch die Lage ihrer Wohnung beschrieben und eine Skizze angefertigt. In der Aufregung hat sie rechts und links verwechselt. Das Leben eines Kindes schien in Gefahr, da mussten wir rasch handeln", führt Dionisio aus.

Namensschilder oder Türnummern gebe es in dem Mehrparteienhaus nicht. Die Beamten hätten vor dem Aufbrechen der Tür noch versucht, diese mit dem Schlüssel der Anzeigerin zu öffnen. Dabei passte der Schlüssel zwar ins Schloss, ließ sich aber nicht drehen. In Folge wurde die Tür aufgebrochen und eine nichts ahnende Familie mit Waffen im Anschlag bedroht.

Kind blieb unverletzt

Die Verwechslung konnte rasch aufgeklärt werden – der Gesuchte befand sich aber auch nicht in seiner eigentlichen Wohnung auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges. Vielmehr hielt er sich mit dem Sohn bei seinem Bruder, der ebenfalls in Klagenfurt wohnt, auf. Dort wurde der Mann schließlich mit dem schlafenden Kind angetroffen. Es war wohlauf. Der 29-Jährige begleitete die Polizisten widerstandslos zur Einvernahme aufs Revier.

Gegen den Tatverdächtigen wurden eine Wegweisung und ein Betretungsverbot ausgesprochen. Er wird angezeigt.

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