Der Weihnachtsmann ist eine  Mischung diverser historischer und fiktiver Figurn.

© APA/dpa/Markus Scholz

Chronik Österreich
12/14/2020

Christkind vs. Weihnachtsmann: Das Match gewinnen beide

Beide symbolischen Figuren haben in Europa lange Tradition. Eine kulturgeschichtliche Erklärung.

von Elisabeth Holzer

Alle Jahre wieder kommt die eine Frage: Wer ist denn nun echter, heimischer, typischer in Österreich das Christkind oder der Weihnachtsmann? Abgesehen davon, dass sie symbolische Gabenbringer sind, ist die Antwort simpel:

Beide sind traditionell verwurzelt.

Wer steckt hinter dem Weihnachtsmann? Mehrere historische wie mythische Figuren, aber kein Getränkekonzern. Volkskundler vermuten im Weihnachtsmann eine Kombination des Bischofs von Myra (4. Jahrhundert) und des Bischofs von Pinara (6. Jahrhundert). Regionale fiktive Figuren (z. B. Knecht Rupprecht) und Bräuche um den Nikolaustag (Geschenke) vermischten sich, bis ab dem 18. Jahrhundert der Weihnachtsmann entstand, der je nach Land andere Namen trägt.

Was hat es mit dem Christkind auf sich? Im Gegensatz zum Weihnachtsmann hat das Christkind nur einen geistigen Vater: Martin Luther. Der Reformator wandte sich von der Heiligenverehrung der Kirche ab, somit konnte er auch nichts mit dem Nikolaus als Gabenbringer anfangen. Er dachte sich die Figur des Heiligen Christ aus. In Folge der Gegenreformation und der speziell im Barock ausgeprägten Verehrung des Jesuskindes wandelte sich der als Mann gedachte Heilige Christ zum niedlichen Christkind. Trotz seiner lutheranischen Geburt wurde es mit offenen Armen in der nunmehr katholischen Kirche aufgenommen.

Dann sind die Figuren also Konkurrenten? Nein, im Grunde nicht. Laut Volkskundeforschung traten sie regionsweise unterschiedlich auf und manchmal sogar als Duo, auch in Österreich bis weit in das 20. Jahrhundert. In Deutschland ist der Weihnachtsmann heute noch verbreiteter als das Christkind, ebenso in der Schweiz.

Weshalb bringt dann bevorzugt das Christkind Geschenke in Österreich? Die Nazis deuteten den weitverbreiteten Knecht Rupprecht zu einer germanischen Figur um. Somit hatte der Weihnachtsmann in Österreich nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes einen zu braunen Anstrich. Das meist als Mädchen mit blonden Haaren oder als Engel dargestellte Christkind war dagegen unbelastet und löste den dicken Mann ab.

Gelten die Corona-Reiseregeln für Weihnachtsmann und Christkind? Diese Frage mutet angesichts einer ernsten Pandemie seltsam an doch sie wurde tatsächlich in der „Corona-Arbeitsgruppe“ der Europäischen Union behandelt. Man drücke bei den „Weihnachts- und Wintergeschenke-Überbringern“ ein Auge zu – egal, welchen Namen sie tragen: Santa Claus, Weihnachtsmann, Père Noël. „Damit ist für Kinder in der EU ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfestes gesichert“, begründete ein Sprecher der deutschen Ratspräsidentschaft vor Kurzem. Doch wer jetzt glaubt, sich verkleidet als Weihnachtsmann frei bewegen zu dürfen, irrt: Diese Ausnahme gelte nur für die fiktiven Figuren, hieß es.

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