Gipfelsieg im verflixten siebten Jahr

Christian Stangl, Archil Badriashvili, Shkhara, Ge…
Foto: Archil Badriashvili Schnappschuss nach geschafftem Aufstieg: Christian Stangl (li.) und Archil Badriashvili gerieten dann beim Abstieg vom Shkhara in einen Sturm.

Christian Stangl gewann das Rennen, als Erster auf den 21 höchsten Bergen zu sein.

Sieben Jahre brauchte der Steirer Christian Stangl, um sein Ziel zu erreichen: Als erster Mensch auf den 21 höchsten Bergen der Welt zu sein.

Am 23. August stand er mit dem Georgier Archil Badraishvili und dem Österreicher Michael Haidn auf dem Shkhara im georgisch-russischen Grenzgebiet, der letzte fehlenden Gipfel für die „Triple Seven Summits“.

Internationale Häme zog sich Stangl, wegen seiner rasanten Aufstiegsweise „Skyrunner“ genannt, 2010 zu: Er schummelte bei der Behauptung, er sei am K 2 gewesen. Nicht zuletzt deshalb zog er später nur noch mit speziellen GPS-Geräten los und dokumentierte jeden Gipfel mit Rundum-Videos.

Der KURIER erreichte Stangl gestern vor dem erneuten Aufstieg in ein Lager am Shkhara in 3800 Meter Höhe.

KURIER: Ziel erreicht, alle Gipfel geschafft. Wie war das da oben auf dem letzten Berg?
Christian Stangl:
„Schon eine Freude, natürlich, der letzte Bursche hat sich ja noch ordentlich gewehrt. So richtig realisiert hab’ ich das eigentlich bis heute nicht.“

Der Abstieg war gefährlich. Sie mussten sich bergen lassen.
Am Freitag am Gipfel war das schönste Wetter. Wir sind am 21. gestartet und haben drei Tage hinauf gebraucht. Die Wettervorhersage war, dass es noch zwei, drei Tage schön bleibt. Dann kommt über Nacht ein Sturm, 60 Zentimeter Neuschnee, das Zelt halb unter Schnee. Am Samstag haben wir keine Sicht gehabt, nur die Lawinen gehört. Da haben wir gesagt, wir müssen warten. Wir haben gewartet, drei Tage lang. Dann haben wir nichts mehr zu essen gehabt, auch kein Gas mehr.

Sie sind dann per Helikopter ausgeflogen worden.
Nach drei Tagen hab’ ich gedacht, so , das kann’s jetzt nicht sein, am letzten Berg passiert dir was? Wir waren auf russischem Territorium, das hat die Bergung verkompliziert. Es hat ein russischer Hubschrauber kommen müssen. Im russischen Camp sind wir auf das Allerfreundlichste behandelt worden, aber formal haben die gesagt: Sie sind Gefangene der russischen Föderation. Sogar zum Duschen ist ein Soldat mit Maschinengewehr mitgegangen. Das war schräg.

Sie haben Ihre Gipfelsiege genau dokumentiert eine Folge des K2-Debakels 2010?
Das hab’ ich mir 2010 ja selbst eingebrockt. Aber ich habe daraus gelernt. Ich wollte das auch nicht so stehen lassen. Also hab’ ich mein Projekt fertiggemacht. Die Menschheit wird’s nicht glücklicher machen, dass ich da oben war. Aber für mich ist es wie ein Kunstwerk, das kann mir keiner nehmen.

Was passiert mit Ihren gesammelten Daten?
Ich hab’ vor allem die Berge vermessen, bei denen die Angaben über ihre Höhe in der Literatur unstimmig waren. Es wird ein Buchprojekt geben, ich werd’ auch zum Buch der Rekorde gehen und das als Rekord abnehmen lassen. Das habe ich aus 2010 gelernt: Was nicht beweisbar ist, ist angreifbar. Vielleicht ist das eine Zeiterscheinung, dass man Transparenz zeigen muss. Gerade ich muss halt völlig transparent sein.

(kurier) Erstellt am
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