Chronik | Österreich
01.12.2017

Cannabis-Cookies und Hanfbier: Das schmeckt nach Amsterdam

"Die Graslerei" macht in Graz auf: Jungunternehmer öffnen ersten Coffeeshop mit legalen Hanfprodukten.

Hanfpflanzen ragen aus ausrangierten Kaffeemaschinen. Hanfpflanzen stehen in Nischen des Kellergewölbes und werden liebevoll mit Licht bestrahlt. "Wer mag, kann sich ein Räucherstäbchen anzünden", sagt Bastian Knabl und schmunzelt: Gemeinsam mit Julia Staud, Stefan Ehrenreich und Lukas Hiegelsberger ist er einer jener vier, die den ersten Coffeeshop nach Amsterdamer Vorbild in Graz aufmachen.

Doch Österreich ist nicht wie die Niederlande. Das in der "Graslerei" verwendete Cannabis hat einen THC-Wert von maximal 0,2 Prozent und gilt damit nicht als Suchtmittel. "Wir benützen nur EU-zertifiziertes Material", versichert Julia. "Es hat keinen psychoaktiven Effekt." Aber, so merkt Bastian an, die Wirkung könne schon ähnlich den aus Amsterdam bekannten Haschback- oder rauchwaren sein: "Bei mir wirkt’s entspannend."

Echte Drogen verpönt

CBD-Cookies, benannt nach dem Wirkstoff Cannabidiol, haben die vier Jungunternehmer auf der Speisekarte, Kuchen folgt. Vier verschiedene Sorten Hanfbier und Hanfeistee gibt es ebenfalls. Die Ware kommt ausschließlich von österreichischen Produzenten, der Tee etwa aus Oberösterreich. Die Gäste können sich auch Cannabisöl in den Kaffee tropfen und aus diversen Blüten das wuzeln, was Bastian als "Räucherstäbchen" umschreibt. "Durch so ein Lokal kann man den Diskurs über Cannabis in die Mitte der Gesellschaft bringen", hofft Bastian. "Man kann Sucht auch durch Aufklärung entgegenwirken." So viel sei auch klar: Wer echte Drogen mitbringt, fliegt raus. "So etwas wollen wir nicht."

Nur sechs Wochen dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung: Heute, Freitag, wird das Kellerlokal in der Leonhardstraße auch schon eröffnet. Das Quartett ist zwischen 23 und 26 Jahre jung und kommt aus einem völlig anderen Beruf: Drei studieren oder studierten Sozialarbeit, einer ist gelernter Installateur und Künstler. 1000 Arbeitsstunden und 20.000 Euro steckten die Grazer bisher in ihr Lokal. Geld, das durch "privates Crowdfunding" hereingekommen sei, betont Julia. "Wir haben ganz viele Freunde gefragt, ob sie uns unterstützen würden. Die haben das alle super gefunden."