Chronik | Österreich
14.03.2018

BVT-Gridling schon länger im Visier der FPÖ

Suspendierter BVT-Chef ist parteipolitisch eher farblos, aber seit Jahren unter Beschuss.

"Verfassungsschutz-Chef verunglimpft 22 Prozent der Österreicher als latente Nazis" (im Jahr 2015) oder "Verfassungsschutzbericht – ein Dokument der Vernebelung" (2011). Das FPÖ-nahe Internetportal unzensuriert.at hat in den vergangenen Jahren Peter Gridling – den nun suspendierten Chef des Verfassungsschutzes (BVT) – immer wieder scharf attackiert.

Der frühere unzensuriert.at-Verantwortliche Alexander Höferl sitzt mittlerweile im Kabinett von Innenminister Herbert Kickl – aber Gridling offiziell seit Dienstag nicht mehr im BVT. Die Affäre um den Verfassungsschutz hat damit eine neue Facette.

Dass Gridling bei den neuen Herren des Innenministeriums ganz oben auf der Abschussliste steht,berichtete der KURIER bereits im Dezember. Der Tiroler, Jahrgang 1957, aus dem Raum Lienz galt bisher als "untadeliger und korrekter Beamter". Ein früherer Mitarbeiter sagt aber auch: "Er konnte zornig werden." Und Gridling sei mitunter von seiner einmal gefassten Meinung schwer abzubringen gewesen. "Er kann ein richtiger Sturkopf sein", sagt ein anderer Wegbegleiter.

Ermittlungen zu Briefbomben

Der gelernte Gendarm absolvierte neben seinem Job ein Jusstudium. 1992 wechselte er in die berühmt-berüchtigte Staatspolizei – kurz StaPo – den Vorläufer des BVT. Drei Jahre später übernahm er die Spitze der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT) – auf Vorschlag von Innenminister Caspar Einem (SPÖ). Seit damals gilt Gridling fälschlicherweise als SPÖ-nahe. In seine EBT-Zeit fielen zum Teil die fragwürdigen Ermittlungen zu den Briefbombenanschlägen durch die "Bajuwarische Befreiungs Armee". Schließlich wurde Franz Fuchs als Einzeltäter gefasst und zu lebenslanger Haft veruerteilt.

2002, während der Amtszeit von Innenminister Ernst Strasser, ( ÖVP) wechselte der frühere Sport-Schwimmer zu Europol nach Den Haag, wo er die Terrorbekämpfung leitete.

Sechs Jahre später holte ihn Landsmann und Innenminister Günther Platter (ÖVP) zurück; Gridling übernahm den Chefsessel im BVT. Er löste dort den Heeresagenten Gert-Rene Polli ab, der sich jetzt – im Schatten der FPÖ – wieder als BVT-Kenner in Stellung bringt. Pollis Vertrag als BVT-Chef war 2008 nicht verlängert worden. Polli meint heute, unter Gridling herrsche im BVT "ein Netzwerk von Günstlingen mit Parteibüchern". Insider behaupten, dass das in der Ära Polli begonnen habe. Zumindest einer der nun verdächtigten Spitzenbeamten wurde ins seiner Zeit aufgenommen.

Ein weiteres pikantes Detail: Das BVT verfasste, wie der KURIER berichtete, im Vorjahr eine kritische Analyse über unzensuriert.at.