Busfahrer mit 1,6 Promille gestoppt

APA/GEORG HOCHMUTHAPA6040790 - 30112011 - WIEN - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Illustration zu den Themen Polizeikontrolle, Fahrzeugkontrolle und Alkoholtest, fotografiert am Dienstag, 29. November 2011, in Wien. Im Bild: Mit einem Alkohol-Testgerät (Alkomat)
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH 1,6 Promille hat die Polizei im Blut des Fahrers festgestellt

Schwer betrunken wurde ein Chauffeur aus dem Verkehr gezogen: Muss man als Gast in den Öffis nun Angst haben?

Hier spricht die Polizeiinspektion Axams. Wir haben einen Linienbus von Ihnen mit alkoholisiertem Lenker!“ – Diese Hiobsbotschaft erreichte einen Busunternehmer aus dem Tiroler Unterland am Dienstag kurz nach 18 Uhr. „Ich war gerade in einer Besprechung und dachte mir, das darf nicht wahr sein“, schildert er. „Da schaust du erst, ob’s ein Scherz ist und die Telefonnummer stimmt.“

Doch es war kein Scherz. Bei der Haltestelle vor der Axamer Apotheke zogen die Beamten den 56-jährigen Chauffeur nach einem Hinweis aus der Bevölkerung aus dem Verkehr – mit 1,58 Promille Alkohol im Blut.

„Ich beobachtete, wie die Polizisten mit einem Mann in den Streifenwagen stiegen“, erinnert sich eine Mitarbeiterin der Apotheke. Sie nahm auch den weißen Linienbus und eine Gruppe von sechs Fahrgästen wahr, die ausstiegen, maß dem aber keine Bedeutung bei. Die Tragweite wurde ihr erst am Mittwoch bewusst, als der unglaubliche Zwischenfall bekannt wurde.

Ein Mechaniker des Busunternehmens, das seit zehn Jahren für die ÖBB-Postbus- GmbH fährt, machte sich auf den Weg, um die Linie von Zirl nach Natters fertigzufahren. „Der Lenker ist seit jeher Berufskraftfahrer, arbeitete aber erst seit 15. Dezember 2011 für uns“, ist der Firmenchef schockiert von „so großer Verantwortungslosigkeit. Ihm muss ja bewusst sein, dass 0,0 Promille gelten.“ Der dreifache Familienvater wurde fristlos entlassen und angezeigt.

Unter Verschluss

Wie viele Vorfälle es pro Jahr mit den Postbussen im Zusammenhang mit Alkohol gibt, darüber schweigen sich die ÖBB aus. Auch die Zahl der internen Kontrollen wird unter Verschluss gehalten. Konzernsprecherin Sarah Nettel will nur so viel sagen: „Alkohol ist ein Thema, aber kein Problem bei uns. Es gibt stichprobenartige Kontrollen – manchmal.“ Aber es gebe eine Hotline, wo man alkoholisierte Kollegen melden kann.

Bei den Wiener Linien wurden in den vergangenen Jahren ein paar spektakuläre Vorfälle bekannt. Dort wird nicht nur streng kontrolliert. Das Unternehmen nennt auch Zahlen: „Wir haben 3200 Fahrer und 2000 Tests pro Jahr“, erklärt Sprecher Dominik Gries. „Nach jedem Unfall wird der Lenker automatisch überprüft.“

Alkolocks (Wegfahrsperre mit Alkomat am Steuer) sind deshalb bei den großen Unternehmen weniger ein Thema. Gries: „Die Zahl der Alkoholisierten kann man an einer Hand abzählen. Ein Berufslenker braucht viel Disziplin, die meisten Fahrer wissen, dass sie nicht feuchtfröhlich Geburtstag feiern können, wenn sie um vier Uhr Dienst haben. Auch wenn das manchmal hart ist.“

Schwere Vorfälle: Cannabis und Alkohol

Horrorcrash Im August 1960 fordert ein Straßenbahnunglück in Döbling 20 Tote und 100 Verletzte. Der Lenker war alkoholisiert. Es ist das bisher schwerste Öffi-Unglück in Wien.

Höchste Werte Der höchste Alkoholwert in der jüngeren Geschichte wurde bei einem ÖBB-Postbus-Lenker aus Graz gemessen. Mit 1,3 Promille verursachte er 2008 Sachschaden. 2009 gab es eine (elfmonatige) Haftstrafe für einen Straßenbahnfahrer, der mit 0,94 Promille eine Wienerin angefahren hatte.

Eingekifft Zwei Stunden lang fuhr 2010 ein 24-jähriger Tramwayfahrer mit dem 71er durch Wien. Dann alarmierten Fahrgäste die Wiener Linien. Der Fahrer wurde gestoppt.

(KURIER / D. Schreiber, S. Stecher, G. Walch) Erstellt am
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