Chronik | Österreich
04.03.2013

Experten halten weiteren Ausbau für sinnvoll

Städter haben kaum Chancen, Anlagen in Eigenregie zu errichten.

Ich hatte Glück, dass ich überhaupt noch ein Paneel erwischt habe“, sagt Sandra Wagner. Seit dem Vorjahr besitzt sie um 950 Euro ein Fotovoltaik-Modul im Bürgersolarkraftwerk Donaustadt. Jährlich 3,1 Prozent davon bekommt sie von Wien Energie als Miete bezahlt. „Ich hab mich immer schon für den Klimaschutz interessiert“, begründet Wagner ihr Investment. „Und ansonsten hat man ja kaum eine Möglichkeit, mitzugestalten, woher der Strom kommt“. Regelmäßig schaut sie im Internet nach, wie viel ihr Kraftwerk gerade Strom produziert.

Mit einer Modul-Gesamtfläche von 3265 m² sind es in der Donaustadt jährlich rund 500 MWh. Damit können 200 Haushalte versorgt werden. 173 weitere sind es über das Bürgersolarkraftwerk Leopoldau. In Liesing und Simmering sollen noch zwei errichtet werden. Das Interesse an den Beteiligungen ist enorm.

Bei der Wiener Volksbefragung können die Bürger entscheiden, ob es künftig weitere Projekte dieser Art geben soll. Für Hans Emrich, Consulter im Bereich Stadtplanung, ein sinnvolles Modell. „Mit dem Thema Energie ist es schwer, die Menschen auf der emotionalen Ebene anzusprechen. Hier hat man aber einen direkten Bezug zur Technologie.“

Vorläufig gehe es mehr um die Bewusstseinsbildung als um das Geschäft: „Die Zeit, in der sich eine Fotovoltaik-Anlage amortisiert hat, ist identisch mit ihrer Lebensdauer.“ Technologische Fortschritte sollen das aber bald ändern, ist Gernot Stöglehner von der Boku überzeugt. Für die an Kraftwerken beteiligten Bürger sei das Investment aber mit keinem Risiko verbunden. In Wien ortet er noch ein hohes Potenzial für den Ausbau der Fotovoltaik. Vor allem bei Dachflächen.

Befragung

Offen bleibt allerdings die Frage, ob es sinnvoll ist, den Ausbau von Bürgerkraftwerken zum Gegenstand einer Volksbefragung zu machen – zumal Beobachter davon ausgehen, dass der Anteil von Gegenstimmen im überschaubaren Bereich liegen wird. Wien Energie hatte Anfang Februar angekündigt, den Ausbau der Bürgersolarkraftwerke auf alle Fälle voranzutreiben – ganz egal, wie die Abstimmung im März dazu ausgeht. Für die ÖVP ein gefundener Anlass, einmal mehr die Sinnhaftigkeit der Befragung in Zweifel zu ziehen. Schließlich musste Wien Energie zurückrudern: „Selbstverständlich“ warte man das Ergebnis des Votums ab und werde dieses auch ernst nehmen.