Darren und Michelle Cattley mit ihren drei Töchtern im Tiroler Schnee

© Privat

Chronik Österreich
12/24/2021

Brexit-Härtefall: Familie vor Abschiebung aus Österreich

Die Cattleys erleben eine böse Weihnachtsüberraschung. Die britische Familie hat sich in Fieberbrunn niedergelassen. Jetzt wird sie zur sofortigen Ausreise gezwungen.

von Christian Willim

Darren Cattley ist verzweifelt. Die schlimmsten Befürchtungen des Familienvaters aus Großbritannien sind kurz vor Weihnachten wahr geworden: „Im Sommer haben wir in Fieberbrunn endlich unser Traumhaus bezogen. Jetzt sind wir plötzlich illegal hier.“

Vor wenigen Tagen erreichte den 42-Jährigen aus Surrey nahe London die Hiobsbotschaft von der Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel, dass er, seine Frau und die drei Kinder (5, 7 und 9 Jahre alt) in Österreich keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten werden.

Übergangsregelung

Eine solche können Briten beantragen, die bereits vor dem EU-Austritt ihres Landes am 31. 12. 2020 in Österreich gelebt haben. Die Übergangsfrist für diese Regelung läuft erst Ende dieses Jahres aus.

Die Cattleys aber sind ein echter Brexit-Härtefall: Bereits 2013 erwarben sie in Fieberbrunn ein Grundstück. Genehmigt wurde der Kauf nur, weil die Familie sich in der Gemeinde dauerhaft niederlassen wollte.

„Tirol hat ein riesiges Problem mit Geisterhäusern. Wir wollen hier aber wirklich leben und werden jetzt abgelehnt“, sagt Cattley in Anspielung auf die Problematik mit illegalen Freizeitwohnsitzen.

Das Problem: Seit dem Grundstückskauf hatte sich der geplante Bau eines Fertigteilhauses wegen Genehmigungsverfahren und Lieferproblemen immer wieder verzögert. Deswegen kehrten die Briten nach ihrer ersten Auswanderung 2017 nach einem Jahr in Tirol wieder in ihre Heimat zurück.

2020 ging es endlich mit dem Hausbau los. „Und dann kam Corona“, erzählt der Ingenieur für Petro-Chemie, der eigentlich bereits einen Job bei einem großen österreichischen Konzern in Aussicht hätte, den er nun aber nicht antreten kann.

Corona-Hürden

Pandemiebedingte Materialknappheit verzögerte den Hausbau im Vorjahr erneut. In der Winterwelle wurden dann Grenzen dichtgemacht. „Wir durften nicht mehr einreisen“, erklärt Cattley, warum man es nicht vor dem Stichtag nach Tirol schaffte.

Er steht aber auch auf dem rechtlichen Standpunkt, dass die bereits 2017 erlangten Anmeldebescheinigung ihre Gültigkeit nicht verlieren kann. Die Behörde beharrt aber auf ihrer Sicht:

Der Sachverhalt sei „eingehend erörtert und geprüft“ worden, so die BH und weiter: „Nach klarer Auskunft der übergeordneten Behörden fallen diese Personen nicht unter das Austrittsabkommen“, da sie zum Stichtag nicht in Österreich waren.

Die britische Botschaft in Wien zeigt sich auf KURIER-Anfrage „überrascht über die Härte der Auslegung“ und steht bereit, konsularische Unterstützung zu leisten.

Die Familie muss indes ihre Koffer packen. Es droht bereits die Abschiebung. Für 26. Dezember ist ein Flug nach England gebucht. Der Großteil von Hab und Gut bleibt vorerst zurück. „Alles, was wir haben, ist hier“, sagt Cattley, der nicht weiß, wie es weitergeht. Ihm bleibt nur die Hoffnung auf ein Weihnachtswunder.

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