Brauchtum: Die Legende vom Nikolo-Verbot

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Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Statt Fremden schlüpfen Kinder, Pädagogen, Eltern oder Bekannte ins Kostüm

Der Nikolo hat im Kindergarten einen großen Stellenwert. Wer den Bischofshut trägt, ist unterschiedlich.

Es ist ein Fixpunkt im Jahreskalender: Regelmäßig, kurz vor dem 6. Dezember, sehen politische Vertreter vor allem der FPÖ und Boulevardmedien das Abendland in Gefahr. "Aufregung um Nikoloverbot in Kindergarten", lauten die Schlagzeilen; Pressekonferenzen unter dem Slogan "Der Nikolo darf nicht sterben" werden einberufen. Doch was ist dran am angeblichen Nikoloverbot? Der KURIER hat den Faktencheck.

Gibt es ein Nikoloverbot in Österreichs Kindergärten?

Nein. Der Nikolo wird in den Gruppen gefeiert. Bei der Umsetzung gibt es jedoch Unterschiede je nach Bundesland oder auch Kindergartenträger. Die Gestaltung – mit Basteln, Jause, Werte- und Wissensvermittlung – obliegt den Pädagogen selbst. Dabei wird unter anderem auf das Alter der Kinder Rücksicht genommen.

Welche Unterschiede gibt es und warum?

In Wien – hier gibt es die meisten Meldungen über angebliche Nikolo-Verbote – verzichtet man auf fremde Personen, die als Nikolo verkleidet in die Gruppe kommen. Stattdessen können sich die Kinder verkleiden, auch die Pädagogen und Assistenten schlüpfen in das Kostüm. "Uns ist das Erleben in der Gruppe ganz wichtig", sagt Daniela Cochlar, Leiterin der MA10 (Wiener Kindergärten).

Auch bei den Kindergärten der St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien ist der Nikolausdarsteller immer eine bekannte Person, die sich vor den Kindern verkleidet. Dabei wird sogar auf den Bart verzichtet. Denn bis zur Unkenntlichkeit verkleidete Personen können Angst bei den Kindern auslösen, heißt es. "Wie sich die Pädagogik entwickelt hat, haben sich auch die Feste im Kindergarten entwickelt", sagt die pädagogische Leiterin Susanna Haas. Es gehe um Freude, nicht um Angst.

In NÖ und in Vorarlberg wiederum kommen je nach Alter und entsprechender Vorbereitung der Kinder aus der Gemeinde bekannte Personen als Nikolo verkleidet in die Gruppe. Bei der Vereinigung Katholischer Kindertagesheime setzt man auf Eltern oder Pädagogen.

Woher kommt die Mär vom Nikoloverbot?

Laut dem Büro des Wiener Bildungsstadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ) geht diese auf eine Falschmeldung aus 2006 zurück. Damals hieß es aus dem Büro der Vizebürgermeisterin Grete Laska lediglich, dass auf Fremde als Nikolaus-Darsteller verzichtet werde, damit Kinder der Figur ohne Angst begegnen können – etwas was bereits gelebte Praxis war. Verkürzt wurde daraus jedoch ein "Nikolo-Verbot". Ein Aufschrei ging durch das Land, sogar eine Plattform "Rettet den Nikolaus" wurde in NÖ gegründet.

Wie wird Brauchtum im Kindergarten gelebt?

Feste wie Nikolo, Weihnachten, Ostern oder das Laternenfest sind indirekt in den Bildungsplänen festgeschrieben. Sie sind laut den Experten gut geeignet, um soziale Kompetenzen zu vermitteln. "Traditionen sind Teil des Bildungsplans", sagt die Vorarlberger Kindergarteninspektorin Andrea Drexel. "Die Feste haben mit unserem Kulturkreis zu tun", meint auch MA10-Leiterin Cochlar. Aber: "Religionsvermittlung ist nicht Aufgabe der städtischen Kindergärten." Es gehe um Wertehaltungen. "Wir versuchen, alle Kinder gut an das Gemeindeleben heranzuführen, da gehören die Feste des christlichen Kulturkreises dazu", betont Marion Gabler-Söllner von der Abteilung Kindergärten des Landes NÖ.

Werden Feste anderer Kulturen gefeiert?

Grundlagen der Religion und Respekt gegenüber anderen Religionen sind wichtige Themen, erklären die Experten in den Bundesländern. Daher werden auch Traditionen anderer Kulturen in den Kindergärten thematisiert – vor allem wenn Kinder verschiedener Religionszugehörigkeit in der Gruppe sind. Dann werden die Eltern eingeladen, um von ihren Festen zu erzählen; in manchen Fällen werden diese auch gefeiert.

(kurier) Erstellt am
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