Chronik | Österreich
15.01.2018

Blackout: Trotz Bedrohungen sorgen wenige vor

Gefahren sind drastisch gestiegen. Zivilschutzverband rät, haltbare Lebensmittel daheim zu lagern.

Die hoch technisierte Welt hat unser Leben viel verwundbarer gemacht, als den meisten lieb ist. Ohne Strom geht so gut wie nichts mehr. Kein Smartphone, kein Internet, kein Kühlschrank, kein E-Herd oder kein Licht.

Wie schwerfällig der Alltag wird, wenn Orte ohne Strom sind, mussten hunderte Bürger im niederösterreichischen Waldviertel erst vor drei Jahren erleben, als die Last durch Blitzeis Dutzende Bäume zum Umstürzen brachte – dadurch wurden mehrere Stromleitungen gekappt. Auch Cyber-Attacken auf das Stromnetz sind keine Seltenheit mehr. Jedes Jahr sind hunderte "kritische Netzeingriffe" notwendig, um in Österreich einen "Blackout" abzuwehren. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur Energieerzeuger, Krankenhäuser oder Behörden, sondern auch private Haushalte vorsorgen, raten Fachleute.

Da die internationale Bedrohungslage alles andere als niedrig ist, rückt der Zivilschutz immer stärker in den Fokus. "Wir sind zwar schon weit weg vom Kalten Krieg – damals waren bei uns noch Strahlenschutzräume gesetzlich vorgeschrieben. Aber das Gefahrenpotenzial hat sich vervielfacht und reicht von Terror bis Cyber-Angriff", sagt Johann Rädler, Präsident des Zivilschutzverbandes. Er will zwar keinesfalls Panik verbreiten, dennoch sollten sich alle Österreicher mit dem Thema intensiver auseinandersetzen.

In Sachen Vorsorge plant der Zivilschutzverband heuer eine neue Kampagne. Speziell entwickelte Sicherheitsspiele sollen erstmals in allen Kindergärten zum Einsatz kommen, um österreichweit nicht nur rund 220.000 Kinder, sondern auch deren Eltern erreichen zu können. Außerdem sind Sicherheitsolympiaden für Jugendliche und – erstmalig – auch für Senioren geplant.

Ausnahmesituation

Damit die Betroffenen genau wissen, wie man eine stromlose Zeit überbrücken kann, ist auch der 64 Seiten starke Blackout-Ratgeber "Kochen im Katastrophenfall" neu entstanden, den Peter Straka, mehrfacher Grillstaatsmeister aus dem Waldviertel und selbst Zivilschutzbeauftragter, erarbeitete.

Darin gibt er Ratschläge, wie man Speisen ohne herkömmliche Kochgeräte zubereiten kann. "Prinzipiell hilft jedes Grillgerät. Ohne Garten oder Balkon ist aber ein Gasgriller ratsam", sagt Straka. In seiner Broschüre beschreibt er die drei wichtigsten Themen: Lebensmittelvorrat, Kochmöglichkeit und alternative Energie. Zudem ist ein zentraler Schwerpunkt das Verwerten verderblicher Lebensmittel aus dem Gefrierschrank. "Da tiefgekühlte Produkte ohne Strom rasch auftauen, muss man sie zügig einkochen, damit sie länger genießbar bleiben", erklärt Straka.

So gut wie er sind in Österreich nur wenige gerüstet. Laut Schätzungen sollen zwei Drittel aller Haushalte auf Ausnahmesituationen unzureichend vorbereitet sein. Dass ein Lebensmittelvorrat für mehr als zehn Tage wichtig ist, belegen Studien: Denen zufolge dauert es rund 30 Minuten, bis in den Märkten die Lebensmittel für den täglichen Bedarf ausverkauft sind. "Vorausgesetzt, sie haben offen", sagt Straka.

Ehrenamtliche

Dass die Prävention des Zivilschutzverbands inzwischen Früchte trägt, belegen Daten. "Wir zählen schon 2500 Ehrenamtliche", sagt Rädler. Und: Erst im Dezember kaufte Amstetten, NÖ, Notfallaggregate, um das Pumpwerk nahe der Kläranlage ununterbrochen weiter zu betreiben.

Für die Krise gerüstet

Die wichtigsten Tipps für alle Fälle
Wasser: Trinkwasser einlagern: Pro Tag sind 1,5 Liter Wasser pro Person zu kalkulieren. Im Katastrophenfall Wasser zur Hygiene und zum Kochen vorbereiten: rechtzeitig die Badewanne füllen
Nahrung: Haltbare Lebensmittel einlagern: 2500 Kalorien pro Tag und Person.
Kochen: Stromunabhängige Kochgelegenheit bereithalten: z. B. Gaskocher; aber auch ein Gartengriller eignet sich.
Hygiene: Hygieneartikel einlagern. Dazu auch Müllbeutel, Plastikteller und -besteck.
Medizin: Hausapotheke und Verbandskasten regelmäßig kontrollieren.
Geld: Bargeld gut versteckt bzw. versperrt aufbewahren.
Papiere: Dokumentenmappe griffbereit, im Idealfall wasserdicht verpackt.
Information: Im Fall der Fälle sofort Informationen einholen: Wenn kein Strom fließt, Kurbelradio oder Autoradio.
Hilfe: Nachbarschaftshilfe und unbedingter Zusammenhalt.

www.zivilschutzverband.at

Wenn der Strom längere Zeit weg ist, benötigt man eine alternative Kochmöglichkeit. Die Lösung ist ein Griller. „Aber bitte keinen Holzkohlegriller in geschlossenen Räumen benützen“, rät Peter Straka, Autor des Ratgebers „Kochen im Katastrophenfall.“

Einfaches Weißbrot

Zutaten: 800 Gramm Weizenmehl, 1 Würfel Germ oder 1 Packung Trockengerm, halber Liter Milch, 1,5 Teelöffel Salz und einen Teelöffel Zucker.

Alle Zutaten verrühren und gut durchkneten. Dieses Brot kann gleich gebacken werden, ohne dass es vorher „gehen“ muss. Die Zubereitung: Den Kugelgrill mit gut durchgeglühter Kohle auf eine Temperatur von 180 Grad Celsius und für indirekten Betrieb vorbereiten. Oder den Gasgrill ebenso auf 180 Grad Celsius für indirekten Betrieb aufheizen.

Wie beim Rezept für Sauerteigbrot (im Ratgeber enthalten) auf einen Pizzastein oder in einer bemehlten oder mit Backpapier ausgelegten Auflaufform mit einer Schüssel warmem Wasser für zirka 70 bis 80 Minuten backen. Der Ratgeber ist kostenlos über den Zivilschutzverband erhältlich sein.