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Chronik Österreich
12/05/2011

Bessere Bildung heißt Stärken mobilisieren

Vom Kindergarten bis zur Uni - es geht um Menschen, nicht ums System.

von Helmut Brandstätter

Jeder Autor freut sich über Reaktionen seiner Leser. Nach dem Kommentar vom vergangenen Samstag über die Realität in unseren Kindergärten machten viele Leserinnen mit Beispielen aus der Praxis klar, woran unser Bildungssystem wirklich krankt.

Die am meisten formulierte Klage von Kindergärtnerinnen lautete, dass nicht anerkannt wird, was diese Frauen, und es sind ja fast nur Frauen, täglich leisten. Den Glauben an die Politik, unser Bildungssystem zu reformieren, spürt man nirgends. Gute Schulen und Kindergärten sind inzwischen aktive Selbsthilfegruppen geworden. Das klingt alles nach Privatisierung der Bildung aufgrund allgemeiner Resignation. So wünschen sich Kindergärtnerinnen, aber auch Volksschullehrer, mehr Anerkennung und auch Hilfe im harten Alltag.

Und es geht um Geld, auch eine Form von Anerkennung. Eine Gesellschaft, die für die Ausbildung ihrer Kinder Hungerlöhne zahlt, glaubt nicht an ihre Zukunft. Lehrer haben ja eine anerkannt starke, zum Teil gefürchtete Gewerkschaft, im Kindergarten spürt man den starken Arm der Personalvertretung noch nicht. Per Internet schließen sich Pädagogen zusammen. Das Volksbegehren enthält zentrale Forderungen, die Politik lässt keine Hoffnung auf schnelle Reformen.

Uniausbildung

Einige Leser argumentierten, dass Kindergärtnerinnen keine universitäre Ausbildung brauchen. Allerdings: Wer eine Uni absolviert hat, lässt sich nicht mehr mit rund 1600 Euro abspeisen. Ob ein wissenschaftliches Studium den Umgang mit Menschen lehrt, kann zwar bezweifelt werden, wie man ja bei Psychologen oder auch universitär ausgebildeten Lehrern beobachten kann - das ist natürlich kein Pauschalurteil. Aber ein Studium wird doch wohl nicht verhindern, dass man den Kleinsten auf Augenhöhe, also ihren Bedürfnissen entsprechend gegenübertritt.

Hier ist wohl das größte Manko unserer Bildungseinrichtungen: Die Menschen sind so verschieden, sie lernen auch ganz unterschiedlich. Ein Kind als Objekt eines Lehrplans, den sich Erwachsene ausgedacht haben, das geht oft ganz schief. Etwas generalisierend lässt sich sagen, dass die Amerikaner in Spitzenforschung nach wie vor führend sind, siehe die Nobelpreise. Die Asiaten wiederum scheinen, was Drill und Fleiß betrifft, unschlagbar. Dagegen kommen wir in Europa nur mit mehr Flexibilität, mehr Fantasie und mehr Individualität an. Das heißt, dass alle Pädagogen dafür geschult werden
müssen, jedes Kind seinen Fähigkeiten nach zu unterrichten. Das ist in großen Gruppen schwierig, aber das System muss sich endlich nach den Menschen richten.

Und noch eines muss offenbar gelernt werden: Mut gegenüber Autoritäten. Viele Leserinnen und Leser berichten über Missstände, wollen ihre Mails aber nicht veröffentlicht sehen, weil sie im Berufsalltag Nachteile befürchten. Aber gerade sie müssen aufrechte Staatsbürger erziehen. Mut wird aber auch an den Unis nicht gelehrt.

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