Chronik | Österreich
23.01.2018

Bergorte kehren zu Normalität zurück

Tourismusregionen in Westösterreich wieder erreichbar. In Südtirol wurden Hotelgäste nach Lawinenabgang ausgeflogen.

Nach und nach lösten sich die Wolken über Tirol am Dienstag auf. Dass tags zuvor in Teilen des Landes und im benachbarten Vorarlberg erstmals seit dem Winter der Galtür-Katastrophe 1999 die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen hatte werden müssen, erschien beinahe ein wenig unwirklich. Die Warnstufe konnte gestern in den betroffenen Gebieten von fünf auf vier heruntergesetzt werden. Dass die Maßnahme gerechtfertigt war, zeigte sich bei Erkundungsflügen.

24 davon hatten Lawinenkommissionen alleine in Tirol angefordert. Die Kaserne in Landeck wurde zum Start- und Landeplatz für die Hubschrauber. Bilder aus dem Paznauntal zeigen zum Teil große Lawinen, die nahe von Häusern ins Tal gerauscht waren. Im Außerfern hatte ein Schneebrett am Montag die Straße der gesperrten Fernpassstrecke und im Bezirk Innsbruck Land die Straße ins Sellraintal getroffen. Verletzt wurde niemand. "Zum Teil sind mordsgroße Lawinen abgegangen. Man muss froh sein, dass das im gesperrten Bereich passiert ist", sagt Rudi Mair vom Lawinenwarndienst Tirol.

Hotel evakuiert

Wie kritisch die Lage im Alpenraum war, wurde am Montagabend in Südtirol augenscheinlich. In Melag im Langtauferstal hat eine Lawine ein Wohnhaus zerstört, die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon. Ein benachbartes Hotel wurde am Dienstagvormittag aus Sicherheitsgründen evakuiert. 65 Hotelgäste, zehn Mitarbeiter und weitere Dorfbewohner wurden mit Hubschraubern ins Tal gebracht.

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit kommt. Das hat sich von Tag zu Tag gesteigert", sagte eine ausgeflogene Urlauberin aus Deutschland gegenüber ORF Tirol. Vor dem Gotthard-Tunnel in der Schweiz ging in der Nacht zum Dienstag eine Schlammlawine nieder und verschüttete eine Autobahn auf 50 Metern Länge. Ein Auto wurde erfasst, es kam aber niemand zu Schaden.

Wie in Österreich wurden in der Schweiz, in Bayern und Südtirol die zum Teil verordneten höchsten Warnstufen der fünfteiligen Skala um eine Stufe zurückgefahren. Dennoch ist die Lawinengefahr weiterhin "groß". Im freien Skiraum ist höchste Vorsicht bei Touren geboten. Unerfahrene sollten tunlichst nur auf den Pisten unterwegs sein.

In den Tourismusregionen Österreichs begann gestern der Weg zurück zur Normalität. Im Laufe des Tages wurden nach und nach Straßensperren aufgehoben. Die Arlberger Skiorte St. Anton und St. Christoph auf Tiroler und die Gemeinden Lech, Zürs und Stuben auf Vorarlberger Seite sind wieder erreichbar. Die Arlbergbahnstrecke dürfte hingegen erst Mittwochmittag wieder freigegeben werden. Gesperrt war am Dienstagnachmittag noch die Fernpassstrecke.

Die Tourismusorte im PaznauntalIschgl, See, Kappl und Galtür – sind hingegen wieder erreichbar. Ebenfalls aufgehoben wurde die Sperre auf der Reschenstraße (B180), somit war Nauders am Straßenweg wieder erreichbar.

Aufatmen bei Experten

Tirols Lawinenexperten atmeten am Dienstag auf, da die Krisensituation glimpflich über die Bühne gegangen war und es keine Verletzten oder große Sachschäden gibt. "Das Kaunertal war unser großes Sorgenkind", sagt Rudi Mair. In derselben Bergregion südlich der Landesgrenze liege jener Südtiroler Ort, in dem eine Lawine das am Dienstag evakuierte Hotel gestreift hat.