Chronik | Österreich
30.01.2018

Bei Drogenscheingeschäft verhaftet: Zwei Schuldsprüche

Der 23-jährige Angeklagte erhielt vier Jahre und sechs Monate unbedingte Haft. Sein Cousin zwei Jahre und sechs Monate.

Im Salzburger Suchtgiftprozess sind am Dienstagnachmittag die Urteile gefallen. Der 23-jährige Angeklagte erhielt vier Jahre und sechs Monate unbedingte Haft, sein 29-jähriger Cousin muss zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Letzterer hat zwar auf Rechtsmittel verzichtet, der Staatsanwalt und der 23-Jährige gaben jedoch keine Erklärung ab. Beide Urteile sind damit nicht rechtskräftig.

Der Schöffensenat sah es als erwiesen an, dass der jüngere der beiden Cousins die Drogen einem Kontaktmann der Polizei anbot, den Anstoß zur Ein- und Ausfuhr gab und schließlich mehr als 63 Kilogramm Cannabis an einen verdeckten Ermittler übergab. Zugleich wurde er wegen zweier Vergehen nach dem Waffengesetz verurteilt. Der 29-jährige zweite Angeklagte wurde wegen seiner Beteiligung an der Übergabe des Suchtgifts verurteilt, von anderen Vorwürfen aber freigesprochen.

Geschäft "in Zeichensprache"

Die zwei bisher unbescholtenen Angeklagten zeigten sich heute vor Gericht (Vorsitz Richterin Anna-Sophia Geisselhofer) weitgehend geständig. Demnach trafen sie Ende Juni 2017 in Salzburg erstmals mit einem kurz zuvor aus der Haft entlassenen Drogenhändler zusammen - ohne zu wissen, dass sich dieser kurz zuvor für die Aussicht auf ein mildes Urteil und eine finanzielle Belohnung der Polizei als Vertrauensperson (VP) angeboten hatte.

Weil die Albaner kein Deutsch konnten, fädelten sie das Geschäft "in Zeichensprache, gebrochenem Englisch und wenigen Brocken Italienisch" ein. Der Anklage zufolge waren sie auf der Suche nach einem Käufer für 100 Kilogramm Marihuana. Und sie meinten, weitere 100 Kilo aus Italien nach Österreich bringen zu können. Eine Woche vor der Übergabe stellte ihnen ihr Kontakt einen verdeckten Ermittler der Polizei als Kaufinteressenten vor. Bei einem Treffen wurde ein Verkaufspreis von 2.500 Euro pro Kilo Cannabis festgelegt.

Entschuldigung an Ermittler

Seine Provision hätte dabei 100 Euro pro Kilo betragen, sagte der 23-jährige Angeklagte vor Gericht. Sein Cousin hätte davon keinen Anteil bekommen, weil dieser nur auf der Durchreise gewesen sei. Überhaupt versuchte der jüngere Albaner, ein Gelegenheitsarbeiter, heute seinen Cousin zu entlasten. Er sei zwar bei den Treffen und bei der Übergabe dabei gewesen, habe aber nur wenig von dem Deal gewusst. "Ich wollte nicht, dass er solche Geschäfte macht. Ich habe ihn aber nicht davon abhalten können", sagte der Ältere dann zur Richterin. Zur Übergabe sei er nur mitgegangen, weil sein Cousin Angst gehabt hätte.

Als es schließlich zur Übergabe kam, entschuldigten sich die Angeklagten beim verdeckten Ermittler zunächst, dass sie nicht 100 Kilo, sondern nur 63 Kilo dabei hatten. Kurz darauf schnappte die Falle der Polizei zu. Bei einer Durchsuchung wurde beim Jüngeren eine Hosentaschenpistole gefunden. Nach einem Abgleich der Fingerabdrücke stellte sich heraus, dass dem 23-Jährigen auch ein im Frühjahr 2017 in einem Wald bei Traun gefundener Revolver und 1,4 Kilo Cannabiskraut zuzuordnen sind.