Chronik | Österreich
15.04.2017

"Beamte hätten ja Haider stürzen können"

FP-Chef Darmann schließt Koalition mit Dauerrivale SPÖ nicht aus und spricht über Fehler.

Mit 4. März 2018 ist die Landragswahl in Kärnten terminisiert. SPÖ und FPÖ haben dennoch bereits seit Wochen einen harten Konfrontationskurs eingeschlagen. Alles scheint auf ein Duell zwischen Peter Kaiser (SPÖ) und Gernot Darmann (FPÖ) hinauszulaufen. Der KURIER bat Heinz-Christian Straches Kärntner Statthalter zum Interview:

Warum sollten die Kärntner eine Partei wählen, die 2013 abgewählt wurde und von der die Regierungsvertreter Gerhard Dörfer, Uwe Scheuch, Harald Dobernig oder Wahlkämpfer Stefan Petzner vom Gericht wegen Untreue bzw. Vorteilsnahme abgestraft wurden?

Gernot Darmann: Es sind laufende Verfahren, dazu sage ich nichts.

Dobernig ist zwei Mal rechtskräftig wegen Untreue verurteilt, Petzner ein Mal. Wir reden von Ex-Mitstreitern und Parteikollegen von Ihnen.

Dennoch kann es Auswirkungen auf andere Verfahren haben. Nur so viel: Der politische Mitbewerber wird nichts auslassen, um zu versuchen, mir mit diesen Ereignissen zu schaden.

Was sagen Sie zum Klima der Angst, das Jörg Haider und Dörfler laut Zeugenaussagen in der Landesregierung verbreitet haben sollen. Da ist von Versetzungen, Zwangspensionierungen und Drohungen die Rede.

Interessant, dass das Klima der Angst erst 15 Jahre später aufkommt. Es handelt sich um pragmatisierte Beamte. Die hätten damals direkt Haider zu Fall bringen können. Die Medien hätten sie auf ihrer Seite gehabt.

Wer ist heute in einem Jahr Kärntner Landeshauptmann?

Es kann schwere politische Verschiebungen geben (2013 kam die SPÖ auf 37 Prozent, die FPÖ auf 17 Prizent, Anm.). Es wird ein Duell und wir haben nur ein Ziel: Erster werden. Und der Erste soll Landeshauptmann werden. Die Bevölkerung steht vor einer Richtungsentscheidung: Verfestigung des Stillstandes oder Blick nach vorne.

Wenn Sie nicht Erster werden, werden sie dann so rasch abberufen, wie Sie installiert wurden, oder würden Sie persönliche Konsequenzen ziehen?

Die rot-schwarz-grüne Koalition wurschtelt und daher werden auch nach der Wahl Probleme zu lösen sein. Ich werde zur Verfügung stehen und noch lange Zeit für meine Heimat arbeiten.

Könnten aus den Kontrahenten Darmann und Kaiser letztlich sogar Koalitionspartner werden?

Schließe ich nicht aus, aber ausgepackelt ist da nichts. Jeder kommt in Frage, der von der Bevölkerung mit Vertrauen ausgestattet wird. Verkaufen werde ich mich nicht. Und ich bin so viel Realist, dass es die Grünen nicht sein werden.

Wird in Kärnten nun zum Halali auf geschützte Tiere geblasen? ÖVP-Chef Christian Benger fordert die Bejagung von Bären, Wölfen und Luchsen, Sie als Jagdreferent wollen Fischotter abschießen.

Also Luchse kann man in Kärnten nicht bejagen, weil es sie nicht gibt. Vielleicht gibt es einen Wolf, aber der kann sich schwer zum Rudel fortpflanzen. Und der Bärenbestand wird auf fünf bis acht Stück geschätzt. Beim Otter geht es um etwas ganz anderes: da entstehen jährlich Millionen-Schäden, weil Kärntens Flüsse durch die Tiere leer gefressen werden. Wir müssen schonen und schützen – unter anderem die Urforelle, die wegen der Otter vor der Ausrottung steht. Es gibt die Möglichkeiten der Entnahme, aber der Abschuss ist natürlich die letzte Konsequenz.

Nach dem Rücktritt von Dörfler als Bundesrat haben Sie Dietmar Rauter zum Nachfolger bestimmt. Die Nächstgereihte auf der Liste, Jutta Arztmann, verzichtete nicht auf ihr Mandat und zog statt Rauter ein. Ein Zeichen Ihrer Führungsschwäche?

Diesen Vorwurf höre ich das erste Mal. Insgesamt in der Optik ist es bedauerlich, was da passiert ist. Es hat natürlich Fehler gegeben, ja, aber es menschelt in der Politik. Und Fehler macht man bekanntlich nicht zwei Mal.