Chronik | Österreich
17.05.2017

Bär wagt sich bis an Klagenfurter Stadtrand

Wildtier ist durch die Drau geschwommen und hat mehrere Bienenstöcke zerstört

Sichtung. "Hätte ich doch nur meine Kamera ein paar Sekunden früher gezückt", ärgert sich Johannes Schifrer, Jagdaufseher in Maria Rain, Bezirk Klagenfurt Land. "So nahe an die Stadt wird sich der Bär wohl nicht mehr wagen", ergänzt er. Schifrer beobachtete Mittwochfrüh einen ausgewachsenen Braunbären, der nur wenige Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt in Göltschach nahe des besiedelten Gebiets eine Gemeindestraße überquerte.

Es geschah um 6.45 Uhr, der 56-jährige Aufseher saß im Auto und befand sich auf dem Heimweg von der Jagd. "Ich sah ein Tier von gewaltiger Statur. Der Bär trottete etwa 100 Meter vor mir vorbei und verschwand im Wald. Die nächste Wohnsiedlung ist nur einen Kilometer entfernt", erzählt Schifrer.

Er sei sofort zu einem in diesem Bereich wohnenden Imker gefahren. Schifrer: "Der Bär hat dessen Bienenstock regelrecht zerrissen. Die Trümmer lagen im Unkreis von 20 Metern, sieben Bienenvölker sind betroffen." Der Jagdaufseher fand ein Haarbüschel des Bären. Im Zuge eines DNA-Abgleiches soll nun geklärt werden, ob das Tier in Kärnten bereits in Erscheinung getreten ist. Die Polizei und Kärntens Landes-Wildbiologe Bernhard Gutleb bestätigen Schifrers Bericht.

Gutleb vermutet, dass das Tier aus den Karawanken gekommen und bei Maria Elend im Rosental die Drau durchschwommen hat. "Dort gibt es eine schmale Stelle mit wenig Strömung. Bären sind ausgezeichnete Schwimmer", teilt Gutleb mit.

"Hunde an die Leine"

Er glaubt, dass sich der Braunbär einige Wochen in dieser Gegend aufhalten könnte. "Irgendwann wird er bemerken, dass es sich um besiedeltes Gebiet handelt und das Weite suchen", mutmaßt Gutleb. In der Zwischenzeit rät er der Bevölkerung, Hunde beim Spazierengehen stets an der Leine zu führen. Und bei einer Begegnung mit dem Bären? Gutleb: "Einfach den Augenblick genießen, der Bär wird weglaufen."