Chronik | Österreich
05.03.2018

Auftritt bei Rechtsextremen: Viel Kritik an FPÖ-Vizebürgermeister

Mario Eustacchio wurde mit seltsamen Aussagen über die Menschenrechte zitiert. Doch diese will er nie getätigt haben.

Altbürgermeister Alfred Stingl, SPÖ, hält sich sonst mit Kommentaren zur Tagespolitik zurück. Doch was da berichtet wurde, war zu viel: "Lernen diese Leute eigentlich nie aus der Geschichte?", fragte er via Medien.

Gemeint war der Grazer FPÖ-Vizebürgermeister Mario Eustacchio: Er sprach am Samstag bei den "Verteidigern Europas". Dies war ein Kongress, dessen Veranstalter "Info.Direkt" vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem eingestuft wird.

Dieses Online-Portal zitierte Eustacchio mit seltsamen Aussagen über Menschenrechte: Deren "religiöses Anbeten" habe zu den heute vorhandenen "katastrophalen Zuständen" in Europa geführt. Das schockierte weite Teile der Kommunal- und Landespolitik, schließlich trägt Graz seit 2001 den Titel einer "Menschenrechtsstadt". SPÖ, Grüne und KPÖ forderten umgehend "Klarstellung" durch den FPÖ-Stadtobmann, die Grünen verlangten dessen Rücktritt als Vizebürgermeister.

"Eine Richtschnur"

Auch ÖVP-Stadtchef Siegfried Nagl wirkte nicht erfreut ob der kolportierten Aussagen und bat zum Gespräch. "Menschenrechte sind oberste Richtschnur für unser Handeln." Eustacchio dürfte Nagl aber überzeugt haben, denn der Bürgermeister ließ Montagmittag wissen: Sein Vize stehe zur Erklärung der Menschenrechte.

Eustacchio selbst will auf KURIER-Anfrage nur schriftlich antworten. Er beteuert, dieser Satz sei nie so gefallen. Tatsächlich nahm das Info-Portal dieses Zitat Montagnachmittag vom Netz.

Eustacchio schildert, er "habe zahlreiche Fehler der 68er-Generation aufgezeigt und jene kritisiert, die Menschenrechte als Schutzschild für andere Zwecke missbraucht haben". Kritik sei Recht der Meinungsäußerung. "Ich nehme dieses Recht für mich in Anspruch und gestehe es auch anderen zu." Er sei "nicht in offizieller Mission der Stadt" unterwegs gewesen und bereits vor einem Jahr eingeladen worden. Die Einschätzung des DÖW zum Kongress habe "keinen normativen Charakter".