Dem Land zufolge gebe es regelmäßige Untersuchungen. (Symbolbild)

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Kärnten/Bezirk St. Veit
12/18/2014

Aufregung um hohe Krebsrate

Medienbericht von 30 Prozent höheren Erkrankungszahlen. Experten bestreiten HCB-Zusammenhang.

Für große Aufregung hat am Donnerstag in Kärnten ein Bericht gesorgt, wonach die Zahl der Krebserkrankungen im Bezirk St. Veit/Glan um 30 Prozent höher ist als im Österreich-Schnitt. Die Presse schreibt in ihrer Donnerstag-Ausgabe, es gebe laut Statistik Austria 344 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner, österreichweit sind es 265, der Kärnten-Schnitt liege bei 313.

Umweltmediziner Michael Kundi erklärte dazu in einer Stellungnahme gegenüber dem Land Kärnten: "Wir haben gerade die regionalen Krebsraten der Alpe-Adria-Region angesehen. Da gibt es weit stärker betroffenen Regionen als das Görtschitztal." Zu den im Zeitungsbericht angeführten Fällen von Schilddrüsen- und Lungenkrebs meinte Kundi, was Schilddrüsenkrebs anlange, so sei die bedeutendste exogene Ursache Jodmangel. Inwiefern das in dieser Region relevant ist, könne er nicht sagen. Asbest spiele bekanntlich bei Lungenkrebs eine nicht unbedeutende Rolle und bei Mesotheliom eine entscheidende.

"Kein Zusammenhang mit HCB"

Einen Zusammenhang mit der Kontamination durch Hexachlorbenzol gibt es für Kundi nicht. Dafür sei die Belastung zu kurzfristig. Albert Kreiner, Krisenkoordinator des Landes, erklärte: "Wir können den Zeitraum der HCB-Emissionen jetzt genauer eingrenzen. Anhand der Unterlagen der Donau-Chemie ergibt sich, dass stark belasteter Blaukalk erst ab Mai oder Juni 2013 in Wietersdorf verbrannt worden ist." Davor sei eher schwach belasteter Kalkschlamm von der Deponie in Brückl an das Zementwerk geliefert worden. Dass HCB aus der Deponie großflächig in die Umwelt gelangt sei, ist praktisch auszuschließen.

Primarius Dietmar Geissler von der Ersten Medizinischen Abteilung des Klinikums Klagenfurt, er ist auch im Onkologiebeirat des Gesundheitsministeriums, hat ebenfalls keine schlüssige Erklärung für die hohe Krebsrate Er sagt in der Presse, dass der Einfluss von Umweltfaktoren auf Krebs-Neuerkrankungen nur sehr schwer kausal festzumachen sei. "Bei Risiken wie Rauchen oder Fettleibigkeit ist das einfach, ein Zusammenhang mit der Deponie in Brückl hat sich bisher jedoch nicht herauskristallisiert."

Asbestbelastung

Beim Land Kärnten betont man, die jahrzehntelange Belastung der Görtschitztaler Bevölkerung, vor allem durch Asbest, sei seit langem bekannt, es sei aber unseriös, jetzt mit Neuerkrankungs-Zahlen einen Zusammenhang mit der HCB-Problematik herstellen zu wollen. Auch die Grundwasserbelastung durch die Deponie in Brückl werde seit Jahren genau beobachtet, es gebe ein regelmäßiges Monitoring der Gurk, auch der Fischbestand werde immer wieder untersucht.

Untersuchungskommission

Unterdessen wird der Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk eine Untersuchungskommission leiten, die alle Vorgänge rund um die Umweltverschmutzung durch HCB im Kärntner Görtschitzal beleuchten soll. Das erklärte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) am Donnerstag bei einer Landtagssitzung im Klagenfurter Landhaus. "Funk erhält bei der Zusammenstellung der Kommission völlig freie Hand", sagte Kaiser.

Die Kommission soll eine "professionelle Aufarbeitung" aller im Zusammenhang mit Hexachlorbenzol stehenden Abläufe sowie Informations- und Genehmigungsverfahren gewährleisten, erklärte der Landeshauptmann. Während der bereits installierte U-Ausschuss des Landtages nach der politischen Verantwortung und die Staatsanwaltschaft nach strafrechtlichen Konsequenzen fragt, soll die HCB-Kommission auch "eine umfassende Fehleranalyse und die Erarbeitung von Verbesserungsvorschlägen" gewährleisten. Funk wird seine Arbeit nach den Weihnachtsfeiertagen beginnen.

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