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© APA/dpa/Uli Deck

Flüchtlinge
03/11/2017

Asylanträge in Österreich zu Jahresbeginn stark rückläufig

Im Jänner und Februar gab es ein Minus von rund 60 Prozent im Vergleich zu 2016.

von Thomas Sendlhofer

Die Zahl der Asylanträge ist im Jänner und im Februar stark zurückgegangen. Laut den aktuellen Zahlen des Innenministeriums sind in den ersten beiden Monaten 2017 insgesamt 4302 Anträge gestellt worden – gemessen an 2016 (10.983 Anträge) entspricht das einem Rückgang von 61,2 Prozent. Verglichen mit dem Jahr 2014 ist die Zahl noch immer verhältnismäßig hoch. Damals stellten im selben Zeitraum rund 2700 Personen einen Antrag.

Zum Verfahren zugelassen wurden mit Stichtag 28. Februar insgesamt 3774 Personen. Setzt sich der Trend fort, wird die von der Bundesregierung festgelegte Obergrenze von 35.000 Anträgen nicht einmal annähernd erreicht. Der Großteil der Asylwerbenden kommt aus Syrien. Rund 1200 Syrer haben im Jänner und im Februar einen Antrag gestellt. Sie haben auch die besten Aussichten auf einen positiven Ausgang des Verfahrens. 97 Prozent der Antragsteller erhielten laut der aktuellen Statistik das Asylrecht.

"War zu erwarten"

Für Herbert Langthaler von der Asylkoordination Österreich kommt die stark rückläufige Zahl an Asylanträgen nicht überraschend. "Das war zu erwarten. Die Preise, die die Schlepper verlangen, sind wegen der Maßnahmen der EU in die Höhe gegangen. Das können sich immer weniger leisten", erklärt sich Langthaler die Entwicklung. Dennoch wollen weiterhin Zehntausende nach Europa. Alleine in Griechenland würden rund 60.000 Menschen auf die Weiterreise warten, sagt Langthaler. Hinzu kommen Tausende, die in Serbien oder Mazedonien hängengeblieben seien. Derzeit würden Flüchtlinge vermehrt andere Routen wie über Italien nutzen, sagt Langthaler. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Samstag, dass auf einem Rastplatz in Ostspanien acht Flüchtlinge aus dem Irak in einem Kühl-Lkw aufgegriffen worden sind.

Dass die Fluchtbewegungen nach Europa in naher Zukunft nachlassen werden, glaubt Langthaler jedenfalls nicht. "Die Festung Europa ist eine Allmachtsfantasie der Innenminister." In den Krisengebieten sei keine Entspannung in Sicht. "In Afghanistan steht die Frühjahrs-Offensive der Taliban vor der Tür", nennt er als Beispiel.

Die Zuwanderung hängt nicht zuletzt auch vom Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei ab. Das Abkommen regelt, dass an der EU-Außengrenze aufgegriffene Flüchtlinge zurückgeschoben werden können. Die Türkei hatte immer wieder gedroht, den Deal aufzukündigen.

Für einen neuerlichen unerwarteten Anstieg der Flüchtlingszahlen sieht Langthaler Österreich jedenfalls gerüstet. Zuletzt seien rund 77.500 Asylwerber in der Grundversorgung gestanden – zu Spitzenzeiten im Vorjahr wären es rund 20.000 mehr gewesen. Bei den Quartieren seien Kapazitäten vorhanden. "Es gibt große Leerstellen in der Grundversorgung."

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