Auf Grundstück von Christoph Haselmayer soll 5-km-Zaun hochgezogen werden.

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Kärnten
07/11/2016

Asyl: Breite Front gegen Zaunbau-Pläne

Vorhaben an Kärntner Grenze zu Slowenien stößt auf Ablehnung. Wichtigster Grundbesitzer legt sich quer.

von Thomas Martinz

"Nicht einmal in der Zeit des Kalten Krieges oder als vor 25 Jahren die Grenze zwischen Kärnten und Jugoslawien aufgrund des Freiheitskampfes der slowenischen Verteidiger gegen die Volksarmee brannte, hatten wir einen Zaun nötig. Warum sollten wir also jetzt die erlangte freundschaftliche Beziehung durch den Akt eines Zaunbaus stören?" Franz Sadjak aus Bleiburg stellt sich diese Frage. Und er ist nicht alleine.

Dass im Bezirk Völkermarkt aufgrund eines möglichen neuen Flüchtlingsstromes Vorbereitungen zur Errichtung eines Grenzzaunes laufen, ist ein sensibles Thema. Immerhin hat die Bevölkerung das Trennende hinter sich gelassen, pflegt freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen zu Slowenien. Folglich reagieren die Bürger vor Ort mit Unverständnis auf die Zaunbau-Pläne, Grundstückseigentümer legen sich gegen die baulichen Maßnahmen des Ministeriums quer.

"Kanalisieren"

Seit Wochen steht die Landespolizeidirektion Kärnten in Verhandlungen mit Grundbesitzern rund um die Grenzübergänge Grablach, Lavamünd, Raunjak und Leifling, um hier die Errichtung von Zäunen vorzubereiten. "Wir reden nicht von einem durchgängigen Zaun, sondern von ein paar Kilometern bei den jeweiligen Übergängen – je nach Topografie", sagt Polizeisprecher Rainer Dionisio. Man wolle auf geänderte Flüchtlingsrouten vorbereitet sein und die Asylsuchenden kanalisieren.

"Diese Idee ist blanker Unsinn, in den Bergen kann man nichts kanalisieren", sagt Ivica Tomic aus dem benachbarten Slowenien. "Außerdem: Als Kinder durften wir mit den Kärntnern nicht einmal reden, obwohl wir immer Nachbarn waren. Jetzt sind wir Freunde, und plötzlich sollen uns Zäune wieder trennen?", fragt der 69-Jährige, der in Lokovica nahe der Grenze wohnt. Viele Grundstücksbesitzer wollen nun einen Zaunbau auf ihrem Boden verhindern. "So um die 40 Prozent der Betroffenen haben uns bis dato eine Zustimmung erteilt", heißt es vonseiten der Landespolizeidirektion Kärnten.

Ein großes Loch droht

Den größten und strategisch wichtigsten Grund besitzt seit dem Jahr 1980 die Familie Haselmayer: 117 Hektar land- und forstwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen den Übergängen Raunjak und Grablach. "Fünf Kilometer lang soll der Zaun auf unserem Grundstück werden – aber wir haben die Zustimmung bereits bei der ersten Kontaktaufnahme vonseiten der Landespolizeidirektion verweigert. In zehn Tagen kommen die Herren vom Innenministerium mit detaillierten Plänen. Aber meine Familie lässt keinen Zaunbau zu", betont Christoph Haselmayer. Seine Gründe: "Mein Vater Wilfried hat hier die Zeit erlebt, als die Jugoslawen im Kalten Krieg an der Grenze Wachtürme errichteten, mein Opa ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Wir benötigen eine gesamteuropäische Lösung und keinen Grenzzaun, den die Flüchtlinge überwinden oder umgehen können", sagt der Landessprecher der Kärntner Neos. Haselmayer: "Man wird uns enteignen müssen."

Sollen an der Grenze Barrieren errichtet werden?

Raimund Grilc, Bleiburg:

"Ein Grenzzaun fördert und demonstriert das Trennende zwischen zwei Nationen, die inzwischen viel verbindet. Außerdem bringt ein Zaun in den Bergen überhaupt nichts, vielmehr sollte man in der Flüchtlingsfrage enger mit Slowenien kooperieren."

Christina Luschin, Bleiburg:

"Nachdem man den Zaunbau zwischen Kärnten und Slowenien andenkt, ist ein neuer Flüchtlingsstrom zu erwarten. Aber Barrieren können das Asylproblem nicht lösen, vielmehr ist ein einheitlicher Weg auf gesamteuropäischer Ebene einzuschlagen."

Ivan Leskovec, Mezica:

"Ich bin ein Slowene und pendle täglich nach Bleiburg, wo ich Arbeit gefunden habe. Einen Zaun zwischen zwei befreundeten Nationen aufzuziehen, halte ich für keine gute Idee. Außerdem würden sich Flüchtlinge davon nicht stoppen lassen."