Chronik | Österreich
20.03.2018

Anwalt Dohr treibt es den Kollegen zu bunt

Kleiderordnung:Strafverteidiger setzen auf zurückhaltendes Schwarz – für den Juristen keine Option.

Die schrillen Sakkos des Anwalts Michael Dohr im Buwog-Prozess sind den Strafverteidiger-Kollegen ein Dorn im Auge. Bei ihrer jüngsten Tagung in Graz haben sie sich deshalb selbst strengere Regeln bei der Kleidung auferlegt: Nicht nur in Schwur-, sondern auch in Schöffenverhandlungen soll in Zukunft ein Talar getragen werden. "Wir sind übereingekommen, einer Empfehlung des Präsidentenrats der Anwaltskammer Folge zu leisten", sagt Manfred Ainedter, Präsident der Strafverteidiger-Vereinigung.

Dohr selbst versteht die Sorgen der "grauen Mäuse" (gemeint sind die Kollegen, Anm.) nicht. "Nur weil alle anderen in ihren schwarz-grauen Uniformen auftreten ..." Er wolle sich nicht an die Empfehlung halten. "Das beeindruckt mich nicht. Kein Rechtssatz sagt, dass ich im Talar kommen muss."

Er selbst sei von Kollegen noch nicht auf seine Sakko-Wahl angesprochen worden und sieht die Diskussion als "kabarettreif". "Ich war erst kürzlich bei einer österreichischen Talkshow. Die Leute waren ganz begeistert und haben Selfies mit mir gemacht. Die fanden es toll, dass es so coole, sympathische Anwälte gibt."

Es war übrigens nicht der einzige Beschluss, den die Strafverteidiger am Wochenende gefasst haben: Sie sprachen sich auch gegen die Sparpläne in der Justiz aus – damit würde die dringend nötige Verfahrensbeschleunigung eingebremst werden.

Auch die geplante Verschärfung der Strafen bei Sexual- und Gewaltdelikten lehnen die Strafverteidiger ab. Die aktuelle Regelung sei ausreichend. Zudem solle mediale Vorverurteilung in Verfahren ein Milderungsgrund sein.