Fünf große Wasserkraftwerke sind im Oberland geplant. Thomas Diem vom WWF glaubt, dass dadurch u. a. das Wildwasser-Eldorado Ötztaler Ache Schaden nehmen würde.

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Wien/Tirol
08/29/2014

Allianz gegen neue Kraftwerke

Umwelt-Ikonen aus Hainburg-Zeiten kritisieren Tirols schwarz-grüne Regierung scharf.

von Christian Willim

WWF, Global 2000 und Greenpeace drücken bereits seit Wochen auf den Alarmknopf. Nun haben sie sich symbolkräftige Mitstreiter an Bord geholt. Am Donnerstag forderten bei einer Pressekonferenz in Wien drei Hainburg-Kämpfer, allen voran die Grün-Ikone Freda Meissner-Blau, die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung auf, "die ökologischen Werte nicht zu vergessen". Der geplante Ausbau der Wasserkraft im Tiroler Oberland sei "maßlos".

Umweltschützer hatten zuletzt kritisiert, dass ein von ÖVP und Grünen beschlossenes Maßnahmenpaket den Naturschutz aufweicht, um dem Landesenergieversorger Tiwag die Umsetzung seiner Kraftwerkspläne im Tiroler Oberland zu erleichtern. Der will über einen Zeitraum von 20 Jahren 3 Milliarden Euro in fünf große Projekte investieren.

"Es ist mir als Grüne der ersten Stunde völlig unbegreiflich, dass sich die Grünen in Tirol auf eine derartige Vereinbarung einlassen", äußerte Meissner-Blau gestern deutlich Kritik an ihren politischen Erben. Sie nahm aber auch Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) in die Pflicht. Ihm liegt derzeit ein wasserwirtschaftlicher Rahmenplan der Tiwag vor, der die geplanten Großprojekte umfasst. Segnet Rupprechter das Papier ab, kommt den Kraftwerken öffentliches Interesse zu.

Im Zentrum der Kritik steht der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal. Es ist das größte der Tiwag-Vorhaben. Umweltschützer kritisieren unter anderem, dass dafür das Naturjuwel Platzertal überstaut werden soll.

"Dieses Projekt ist in unserer Konzeption für die Zielerreichung der Stromautonomie Tirols unverzichtbar", macht Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer klar, dass es für ihn kein Rütteln am Kaunertal-Ausbau gibt. Eingriffe in die Natur werde es natürlich geben, meint Wallnöfer, aber eben "nur punktuell".

"Dumm nur, dass wir an so einem Punkt leben", hält Anita Hofmann von der Bürgerinitiative Lebenswertes Kaunertal entgegen. Die Mitglieder bangen um ihre Zukunft. "Jeder von uns hier im Tal hängt vom Tourismus ab", sagt Hofmann, die auch selbst Zimmer vermietet. "Aber wer soll hier noch seinen Sommerurlaub verbringen, wenn wir 8 bis 10 Jahre eine Großbaustelle haben?"

Wasserableitung

Widerstand kommt auch aus dem hinteren Ötztal. Hier möchte die Tiwag 80 Prozent des Wassers der Gurgler und der Venter Ache für das Kraftwerk Kaunertal ableiten. Doch die Bauern der Region, die auch als Grundeigentümer betroffen wären, wollen sich nicht das Wasser abgraben lassen.

Sollte sich die Tiwag durchsetzen, hätte das laut Thomas Diem vom WWF "sicher auch negative Auswirkungen auf die Ötztaler Ache". Venter und Gurgler Ache sind die größten Zubringer des Wildwasser-Eldorados. Das sehen die Rafting-Anbieter des Oberlands gefährdet und steigen deshalb ebenfalls auf die Barrikaden.

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