Chronik | Österreich
29.03.2017

Alfred Riedl zum Gemeindebund-Präsidenten gewählt

Der Niederösterreicher Riedl setzte sich gegen Günther Mitterer aus Salzburg durch.

Der Niederösterreicher Alfred Riedl (ÖVP) ist neuer Präsident des Gemeindebundes. Der 64-jährige Bürgermeister von Grafenwörth (Bezirk Tulln) setzte sich am Mittwoch gegen seinen Salzburger Konkurrenten Günther Mitterer (ÖVP) durch. Im Vorstand des Gemeindebundes entfielen 37 von 59 Stimmen auf Riedl, so der Gemeindebund-Sprecher via Twitter.

Riedl tritt die Nachfolge von Helmut Mödlhammer an, der den Gemeindebund seit 18 Jahren geleitet hatte. Der Öffentlichkeit präsentieren wollte sich Riedl bei einer Pressekonferenz um 14.00 Uhr.

Der Gemeindebund vertritt die meisten der 2.100 österreichischen Gemeinden und wird von der ÖVP dominiert. 252 Städte und größere Gemeinden werden vom Städtebund vertreten.

Reaktion von Günther Mitterer

Den Ausgang der heutigen Wahl sieht der unterlegene Kandidat Günther Mitterer nicht als eine Kampfabstimmung zwischen dem Westen und dem Osten Österreichs. "Rechnen wir nicht die Bundesländer gegeneinander auf, das ist nicht in meinem Sinne. Wir wollen gemeinsam weiterarbeiten mit einem gestärkten Gemeindebund", sagte er im APA-Gespräch.

Er persönlich bleibe Präsident des Salzburger Gemeindeverbandes und Bürgermeister von St. Johann und werde sich diesen Aufgaben weiter mit voller Kraft widmen, auch wenn er etwas Enttäuschung nach dem Ausgang der Abstimmung nicht in Abrede stellen wolle. "Man sagt, ich habe die Stimmen des Westens auf alle Fälle erhalten, dazu einige der Mitte, aber der Ausgang ist so zu akzeptieren", sagte Mitterer.

Die Gefahr, dass sich künftig im Gemeindebund eine Kluft zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern auftut, sieht der Salzburger nicht. "Ich mache mir keine Sorgen. Wir westlichen Bundesländer werden nicht unter die Räder kommen. Wir haben uns ja auch schon in der Vergangenheit auf die Füße gestellt und werden auch in der Zukunft immer wieder den Konsens suchen", so der Pongauer Bürgermeister.

Alfred Riedl

Der neue Gemeindebundpräsident Alfred Riedl (64) ist seit 1990 VP-Bürgermeister der etwa 3.000 Einwohner zählenden Marktgemeinde Grafenwörth (Bezirk Tulln). 1998 zog er in den niederösterreichischen Landtag ein, dem er als Klubobmann-Stellvertreter (seit 2003) unverändert angehört.

Seit 2001 fungiert der ausgebildete Steuerberater Riedl auch als Präsident des NÖ Gemeindebundes. In dieser Funktion drohte er im Vorjahr gemeinsam mit Kollegen aus der Steiermark, aus Kärnten und dem Burgenland, den Finanzausgleich platzen zu lassen, sollte es keine spürbaren Verbesserungen für die südlichen und östlichen Bundesländer gegenüber dem Westen geben.

Als Ortschef hat Riedl eine absolute Mehrheit hinter sich. Bei der jüngsten Kommunalwahl im Jänner 2015 entfielen 65,2 Prozent und somit 15 der 23 Sitze im Gemeinderat auf die "Volkspartei Grafenwörth Bürgermeister Riedl". In Grafenwörth ist dem verwitweten Vater von drei Töchtern sogar der örtliche Fußballplatz gewidmet, der seit seinem 60. Geburtstag den Namen Alfred Riedl-Stadion trägt.

Überregionale Bekanntheit erlangte Riedl bisher vor allem durch den Streit um den Bau eines Stupa, eines buddhistisches Friedensdenkmals, in seiner Heimatgemeinde. Gegen dieses von Riedl unterstützte Projekt gibt es seit Jahren heftigen Widerstand einer Bürgerinitiative, der ebenfalls in eine Amtsmissbrauchs-Anzeige mündete. Riedl bestritt die Vorwürfe und kündigte seinerseits eine Klage gegen die Projektgegner an.