Chronik | Österreich
22.04.2017

Airport-Chef nimmt Politik in die Pflicht

Max Schintlmeister glaubt, dass sein Nachfolger ebenfalls an seine Grenzen stoßen wird.

Der Vertrag des Geschäftsführers des Klagenfurter Flughafens, Max Schintlmeister, wird frühzeitig aufgelöst. Er macht im KURIER-Interview die Politik für die sinkenden Passagierzahlen und gestrichene Destinationen mitverantwortlich.

KURIER: Es gibt zwei Versionen zur vorzeitigen Auflösung Ihres bis Jänner 2018 laufenden Vertrags: Sie würden den Abflug machen, weil Sie den Sinkflug nicht stoppen können oder der Abgang sei gar nicht freiwillig.

Schintlmeister: Es ist eine Mischung aus allem, aber ich gehe definitiv freiwillig. Vor meinem Job in Klagenfurt war ich als Selbstständiger nicht unerfolgreich und das werde ich wieder machen: ich ziehe mit meiner Familie nach Barcelona und entwickle Businesspläne für Regionalflughäfen...

... wie Klagenfurt.

(lacht) Den aktualisiere ich für meinen Nachfolger. Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass man mich dann nicht kontaktieren wird.

In Ihrer Ära seit 2013 sind die Passagierzahlen von 279.000 auf 193.709 gesunken, die AUA hat die Wien-Verbindung gestutzt, Berlin wurde eingestellt, die London-Anbindung versprechen Sie seit 2014.

Ich verspreche nichts, arbeite bis zum Exzess an London und jetzt ist eine Gesellschaft sehr interessiert. Berlin habe ich gebracht, doch letztlich haben die Passagierzahlen zu wünschen übrig gelassen. Kärnten hat einen Mini-Markt, der entwickelt werden muss. Aber nicht von mir alleine.

Fehlt die Unterstützung der Politik, der Kärnten Werbung?

Der Enthusiasmus der Eigentümer war am Anfang enden wollend. 2013 dachte ich, dass alles schneller gehen würde und Rahmenbedingungen geschafft würden, um Buchungsplattformen oder Transportmittel zu entwickeln. Auch die Sanierung der Landepiste hat sich ewig hingezogen und den Airport in die Krise schlittern lassen. Weiters fehlten im Tourismus Bestrebungen, die Destination zu entwickeln. Erst jetzt spüre ich Rückenwind. Es ist allen klar, dass ein Flughafen kein Selbstläufer ist.

Ist der Job ein Himmelfahrtskommando, versüßt nur mit der kolportierten Jahresgage von 160.000 Euro?

Also es gibt bessere Jobs – auch besser bezahlte. Ob es ein Himmelfahrtskommando ist, muss jeder Kandidat selbst entscheiden. Ich hinterlasse einen bautechnisch sanierten Flughafen, weil ich hatte zu Beginn ja nur eine kaputte Piste (die desolate Landebahn wurde im Vorjahr wieder hergerichtet, Anm. d. Red.). Jetzt haben die Regionen, durch die ich getourt bin, und die politischen Entscheidungsträger erkannt, dass sie unterstützend mitwirken müssen. Dennoch wird der Wunderwuzzi, der kommt, erkennen, dass man irgendwann mit seinem Latein am Ende ist, weil man die Flugzeuge nicht selbst füllen kann.

Sie scheiden in zwei Monaten als Geschäftsführer aus, der Posten wurde bereits ausgeschrieben. Wäre es nicht klüger gewesen, die geplante Teilprivatisierung abzuwarten und erst dann Ihren Nachfolger zu bestellen?

Das ist die Entscheidung der Eigentümer (zu 80 Prozent das Land Kärnten und zu 20 Prozent die Stadt Klagenfurt, Anm.), ich war nicht eingebunden. Im Übrigen bleibe ich bis September in meiner Funktion, um eine geordnete Übergabe an meinen Nachfolger zu ermöglichen.