Chronik | Österreich
25.05.2017

Air Berlin: Hunderte Koffer gehen verloren

Reisende warten in Schwechat häufig vergeblich auf ihr Gepäck. Probleme am Flughafen Tegel in Berlin sind die Ursache.

Verspätungen, gestrichene Flüge und nun auch vermisstes Gepäck. Kunden der angeschlagenen Airline Air Berlin brauchen starke Nerven. Zuletzt sorgten verloren gegangene Koffer auf den Flügen von Wien nach Berlin für Ärger. Betroffene berichten, dass häufig bis zu 100 Gepäckstücke pro Tag nicht ankommen. Das sei ihnen von Mitarbeitern des Lost-&-Found-Schalters mitgeteilt worden. Laut Flughafen Wien-Insidern gebe es gröbere Probleme.

Diese Erfahrung machten vergangene Woche auch Geschäftsleute aus China. Als die vier Männer nach der Zwischenlandung in der deutschen Hauptstadt in Wien ankamen, suchten sie ihre Taschen vergeblich. "Das Gepäck des ganzen Fliegers ist nicht angekommen", erzählt Martin S., der die Reise organisiert hatte. Bei der Lost-&-Found-Hotline sei er dann stundenlang in der Warteschleife gehangen, bis – laut Tonband – die Geschäftszeiten vorbei waren.

Kein Einzelfall, wie Insider auf dem Flughafen berichten. Es gebe über das übliche Maß hinaus Probleme mit dem Gepäck, heißt es. Betroffen seien Air Berlin Flüge von Berlin nach Wien.

In Deutschland sind die Probleme seit Monaten bekannt. Sie hängen laut Airline mit dem Bodendienstleister Aeroground am Flughafen Tegel zusammen, mit dem Air Berlin seit Ende März neu zusammenarbeitet. Durch dessen "Performance-Probleme" sei das Streckennetz – auch mit Flugausfällen und Verspätungen – stark beeinträchtigt, wie Air Berlin-Sprecherin Theresa Krohn erklärt. "Dieser Zustand ist nicht akzeptabel und Aeroground muss diese Probleme schnellstmöglich in den Griff bekommen." Man bemühe sich um eine Lösung. So würden Mitarbeiter aus der Verwaltung am Flughafen Tegel aushelfen, zudem sei die Mindestumsteigezeit von 30 auf 45 Minuten erhöht worden. Bei "Gepäckfehleitungen" könnten Passagiere die Kosten für Noteinkäufe einreichen und würden ein Kompensationsangebot erhalten.

Personalprobleme

Robert Wilhelm, Sprecher des Flughafen München, dessen Tochtergesellschaft Aeroground ist, räumt Probleme ein. "Am Anfang gab es definitiv zu wenig Personal und die Koffer konnten nicht alle verladen werden." Bei Mitarbeitern hätten noch Sicherheitsfreigaben gefehlt hätten. Mittlerweile gebe es Verbesserungen. "100 Prozent läufts noch nicht rund, aber wir arbeiten daran." Allerdings, so Wilhelm, sei auch Air Berlin mitverantwortlich. Durch Flugverspätungen bliebe oft weniger Zeit, Gepäck zu verladen. Die Airline argumentiert hier mit Umstrukturierungen und dem Umbau des Streckennetzes.

Die Koffer erhielten die Chinesen übrigens erst nach mehr als zwei Tagen – da waren sie aber bereits weiter gereist.