Afghane geständig: "War in einer schlechten Stimmung"

In diesen Hauseingang lief der Verdächtige, nachdem er die Familie angegriffen haben soll. © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Am Mittwoch hatte der 23-Jährige im zweiten Bezirk vier Personen niedergestochen. Fünftes Opfer entkam knapp

Der mutmaßliche Täter einer bisher noch nie da gewesenen Messerattacke in Wien ist ausgeforscht. Jafar S., der am Mittwochabend in Wien eine dreiköpfige Familie vor der U-Bahn-Station Nestroyplatz und einen Landsmann am Praterstern niedergestochen haben soll, gestand beide Taten. Am Donnerstagnachmittag nahmen die Ermittler den Verdächtigen in die Mangel und konnten ihm ein Geständnis entlocken.

"Er gab an, dass er in einer schlechten, aggressiven Stimmung und auf seine gesamte Lebenssituation wütend war. Dies war der Grund für die Attacke auf die Familie", schildert Polizeisprecher Patrick Maierhofer.

Er kannte ein Opfer

Den 20-jährigen Landsmann, den der Beschuldigte am Praterstern mit einem Messer schwer verletzt habe, dürfte er kennen. Er habe diesen nach der Attacke auf die ihm fremde Arzt-Familie gezielt aufgesucht, da er den Mann für seine "Drogensucht verantwortlich" machen wollte. Beide Tatwaffen – zwei Klappmesser – konnten beim Verdächtigen sichergestellt werden. Diese hatte der Afghane am selben Tag um zehn Euro gekauft, was für eine geplante Tat sprechen könnte.

Jafar S. hat keinen festen Wohnsitz in Österreich. Seit wann er im Land ist, ist unklar. Bei seiner Einreise hatte er wie viele andere Flüchtlinge den 1. Jänner als Geburtsdatum angegeben. Ob er in psychologischer Betreuung war, ist unklar. Eine Zeugin meinte, er habe bereits bei der Tat "psychotisch" gewirkt.

Bei drei der vier Opfer konnte am Donnerstag Entwarnung gegeben werden. Der Afghane sowie Isabella H. (17) und ihre Mutter Hidea (56) befanden sich außer Lebensgefahr. Der 67-jährigen Zahnarzt Wolf-Dietrich H., der eine Ordination in der Nähe des Tatortes besitzt, kämpft weiterhin um sein Leben. Es handelt sich bei dem Opfer offenbar um den Schwiegervater eines bekannten Radio-Moderators.

Ein Arbeitskollege des Mediziners erzählte dem KURIER, dass er die Familie Minuten vor der Tat noch gesehen hatte: "Wir waren zusammen essen. Ich habe fünf Minuten vorher das Lokal verlassen. Als wir in der Früh in der Ordination auf den Herrn Doktor gewartet haben, kam niemand. Erst als wir die Polizei angerufen haben, erfuhren wir von der Tat", zeigt sich der Mitarbeiter geschockt. "Ich arbeite seit 15 Jahren für ihn und er ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne." Am Freitag hätte der Mediziner in den Urlaub fliegen sollen.

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Messerstecherei Praterstraße Praterstern Donaukanal Messerattacke Messerstiche Wien Wien-Leopoldstadt Leopoldstadt © Bild: Melcher Daniel

Drei Zeugen berichteten am Mittwoch der Polizei, dass der Täter laut geschrien habe. Die Tatsache, dass einer der Zeugen vage aussagte, in dem Geschrei sei möglicherweise das Wort "Allah" gefallen (was die anderen Tatzeugen bezweifeln), ließ manche Medien Terror-Schlagzeilen produzieren. Gegenüber den Ermittlern hat der Verdächtige jedoch eindeutig angegeben, dass die Tat "nicht politisch motiviert" war.

Entkommen

Die Polizei teilte außerdem mit, dass Jafar S., nachdem er die dreiköpfige Familie angegriffen habe auch auf einen Zeugen losgehen wollte. Dieser flüchtete in das japanische Lokal. Der Verdächtige hat dann gegen die Glasscheibe geschlagen und sich dabei eine Schnittverletzung an der Hand zugezogen. Wegen der Blutspur konnten die Ermittler am Donnerstagvormittag dann den Fluchtweg des Verdächtigen rekonstruieren.

Mit einem Spürhund wurde die Strecke nach weiteren Hinweisen abgesucht. Die Spur führte die Ermittler über einen Hauseingang in der Praterstraße in die Czerningasse. Keine 100 Meter weiter in einem Innenhof in der Fruchtgasse konnte der Spürhunde eine weitere Blutspur entdecken, die ihn auf den Donaukanal führte. Von dort aus dürfte Jafar Y. dann in Richtung Praterstern gelaufen sein, um seinem Drogendealer aufzulauern.

Seit 2016 als U-Boot

Laut dem Wiener Polizeichef Pürstl kam der mutmaßliche Täter 2015 im Zuge der großen Asylwelle ins Land und suchte um Asyl an. Später geriet er ins Drogenmilieu, wurde polizeilich auffällig und lebte seit 2016 als U-Boot. So berichtete Gerhard Pürstl am Donnerstagabend in der ZiB 2.

( kurier.at ) Erstellt am 08.03.2018