Selbst der heiße Dampf von Tee oder Glühwein kann eine Gefahrenquelle sein

© KURIER/Gerhard Deutsch

Vorweihnachtszeit
11/21/2014

600 Kinder verbrennen oder verbrühen sich zuhause

Eltern klären Kinder zu wenig über Brandgefahren auf - Unfälle wären meist vermeidbar.

Kerzen, Festbeleuchtung, heißer Tee: Gerade in der Vorweihnachtszeit steigt die Gefahr von Verbrennungen und Verbrühungen. Rund 800 Wohnungsbrände ereignen sich jährlich in der Weihnachtszeit in Österreich. 600 Kinder landen im Spital. Je jünger die Opfer, desto fataler oft die Folgen: Der dampfende Inhalt eines Häferls kann bei Kleinkindern Verbrennungen von 30 Prozent der Haut verursachen. Ab 15 Prozent besteht Lebensgefahr. Die meisten Fälle seien vermeidbar, hieß es bei einem Pressegespräch am Freitag in Wien.

Die Vorweihnachtszeit bedeutet aber auch Dauerstress für die Erwachsenen: In einem unbeobachteten Moment ist der Wasserkocher vom Tisch gezogen oder die Kinderzimmerlampe aufs Bett gefallen. 4100 Kinder unter 15 Jahren verbrennen oder verbrühen sich pro Jahr in Österreich in den eigenen vier Wänden so schwer, dass sie ärztliche Behandlung brauchen. Im November und Dezember sind es rund elf täglich.

Aufklärung mangelhaft

Hauptursache sind offenes Licht und Feuer, so das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Direktor Othmar Thann zitierte aus einer aktuellen Studie, derzufolge Eltern zwar darauf achten, Zünder und Feuerzeuge außer Reichweite des Nachwuchses zu deponieren - sieben von zehn gaben dies an - weniger als 50 Prozent sprechen allerdings über die Gefahren von Bränden mit ihren Sprösslingen. Das kann ein fataler Fehler sein, weil die Jüngsten oft untypisch reagieren: So flüchten sie beispielsweise nicht automatisch, wenn es brennt. Viele verstecken sich oder suchen Zuflucht in vermeintlich sicheren Ecken. Besonders dann, wenn sie selbst "gezündelt" haben, schlagen sie selten Alarm.

Neben Aufklärung und Verhaltensänderungen forderten die Spezialisten von Versicherungsverband (VVO), KFV und LKH Graz auch die Installation von Rauchmeldern, vor allem in den Kinderzimmern. Nur jeder dritte Haushalt verfügt derzeit hierzulande über die potenziellen Lebensretter. Etwa jeder zweite hat einen Feuerlöscher.

Sensible Kinderhaut

Wenn ein Brand ausbricht, zählt jede Sekunde - auch wenn eventuell auf den ersten Blick nicht viel passiert ist. Vor allem die kindliche Hautoberfläche ist ausgesprochen empfindlich, erläuterte der Brandverletzungsexperte Lars-Peter Kamolz. So kann eine tiefe Verbrennung auf einem Prozent des Gesichts lebenslange Folgen haben und für immer entstellen. Ab einem Zehntel kann es zu systemischen Verletzungen kommen. "Ich habe Angst vor Feuer", gestand der plastische Chirurg ein. Er setzt privat selbst auf Brandmelder. "Das war eine der ersten Maßnahmen."