Chronik | Österreich
11.05.2017

3500 Kärntner Pflegekräfte rufen Streik aus

Personal schmettert Angebot des Landes einstimmig ab, Betriebsrat: "Patienten werden es diesmal spüren".

"Wir sehen uns dann beim Streik auf der Straße." Mit diesen Worten verabschiedete sich am Donnerstag eine Krankenschwester nach der zweistündigen Betriebsversammlung der Pflegekräfte im Klinikum Klagenfurt von ihrer Kollegin. Da zwischen dem Land und den 3500 Betroffenen in den Kärntner Landesspitälern im Gehaltspoker keine Einigung erzielt wurde, wird ein eintägiger Streik samt Protestmarsch in Klagenfurt vorbereitet.

150 Euro Erhöhung für Diplomkräfte und 75 Euro für Pflegehelfer pro Monat – so lautet das Angebot des Landes, das am Donnerstag in allen fünf Spitälern abgelehnt wurde. "Wir bleiben bei 200 bzw. 100 Euro mehr. Es gab einen Kompromissvorschlag meinerseits, wonach wir auf die für 2018 geplante Gehaltsvorrückung um 0,8 Prozent verzichten würden. Auch der wurde vom Personal mit Zweidrittelmehrheit abgewunken", sagt Zentralbetriebsrat Arnold Auer. Damit habe er für etwaige weitere Verhandlungen mit dem Land "nicht einen Millimeter Spielraum". Und damit bleiben die Fronten verhärtet, denn Andreas Schäfermeier, Sprecher von Personalreferent Peter Kaiser (SPÖ), sagt: "Wenn man nicht mehr aufeinander zugeht, wird eine Lösung verunmöglicht."

"Nicht koordiniert"

Der Betriebsrat wird am Montag beschließen, wann der Streiktag über die Bühne gehen wird. "Ich organisiere einen Marsch vom Klinikum zur Landesregierung", kündigt Auer an. Und weiter: "Dieser Streik wird nicht koordiniert ablaufen, wie die Betriebsversammlung am Donnerstag. Den werden die Patienten leider spüren."

Tatsächlich wurde gestern soweit vorgesorgt, dass es in den fünf Häusern zwischen 8 und 10 Uhr zu keinerlei Versorgungsengpässen kam, wie ein KURIER-Lokalaugenschein am Klinikum Klagenfurt zeigt. "Ärzte sind eingesprungen, haben Blut abgenommen, Verbände angelegt", erzählt Patient Raphael Stotz aus Klagenfurt, der ambulant behandelt wurde. "Auf der Augenabteilung hat man eine Notbesetzung mit zwei Schwestern aufrecht erhalten, die haben den Laden geschupft", berichtet Brigitte Wintschnig aus St. Veit. "Ich wurde zur Kontrolle extra nach 10 Uhr bestellt. Wenn der Betrieb aber einen Tag lang still steht, sieht’s anders aus. Die Forderungen der Pflege verstehe ich, sie sind das Herz des Spitals", ergänzt Ulrike Willis aus Wolfsberg.