Chronik | Österreich
22.12.2017

17 Jahre nach Foltermord schnappte Falle zu

Ein chinesisches Paar wurde im Jahr 2000 gefoltert und ermordet in Niederösterreich aufgefunden.

Es war ein blutiger "Fernost-Krimi": Im Sommer des Jahres 2000 wurden in Niederösterreich zwei Leichen entdeckt. Einer jungen Frau war die Kehle durchtrennt worden, ein Mann wies Hieb-, Stich- und Schnittverletzungen am ganzen Körper auf. 17 Jahre danach konnte der Hauptverdächtige am 18. Dezember auf dem Flughafen in München festgenommen werden, nachdem er aus Shanghai eingereist war. Dawei W. (35) soll demnächst an die heimische Justiz ausgeliefert werden. Ihm steht eine Anklage wegen zweifachen Mordes ins Haus.

Es war am 23. August 2000 als in einem Gebüsch in Leobersdorf (Bezirk Baden) die beinahe enthauptete Leiche der 19-jährigen Lu Xiao Chen von einem Radfahrer entdeckt wurde. Ein paar Stunden später fand ein Jäger bei Bruck an der Leitha den Freund der 19-Jährigen, ermordet in einem Feld. Feng Hai Mao (25) war gefoltert und schließlich mit einem Hackbeil erschlagen worden.

Die Spuren in dem Doppelmord führten zu einer von Wien aus agierenden chinesischen Schlepperbande. Deren früherer Capo Yida Wang (23) dürfte sich vom späteren Mordopfer Feng Hai Mao aus dem lukrativen Geschäft gedrängt gefühlt haben. Außerdem soll er ihm 20.000 US-Dollar geschuldet haben. So soll Yida Wang zusammen mit mehreren Gefolgsleuten den Mordplan geschmiedet und umgesetzt haben.

Kurz nach seiner Verhaftung nahm sich Yida Wang in seiner Zelle das Leben. Zuvor kritzelte er jedoch ein umfangreiches Geständnis auf die Innenseite seines Blousons. Drei Komplizen wurden schließlich zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt, drei weitere konnten entkommen. Unter ihnen der mutmaßliche Drahtzieher der Morde, Dawei W.

Aus Haft getürmt

Ermittler der Landeskriminalämter Nieder- und Oberösterreich stellten einen engen Bezug des Gesuchten zu chinesischen Landsleuten in Bayern her. Es wurde bekannt, dass der mittlerweile 35-Jährige einen Flug nach München plante. Mit diesen Infos konnten das internationale Zielfahndungsnetzwerk European Network of Fugitive Active Search Teams (ENFAST) und Zielfahnder des Polizeipräsidiums München den Verdächtigen aufspüren und bei seiner Einreise nach Deutschland in Handschellen legen. Er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Einem anderen der zu lebenslanger Haft verurteilten Chinesen ist hingegen die Flucht gelungen. Wie vom KURIER berichtet, sollte Donghua C. nach 15 Jahren in der Justizanstalt Stein im Vorjahr auf seine Freilassung vorbereitet werden. Gleich bei seinem ersten Ausgang aus der Gefängnis-Außenstelle in Oberfucha, Bezirk Krems, tauchte er unter. Bis heute fehlt von ihm jede Spur.