Chronik | Österreich
22.05.2017

159 Dealer hinters Licht geführt

Ermittler schleusten sich im Rahmen der Operation "Porto" ins Darknet ein.

Das Darknet (Internetseiten, die nicht über Suchmaschinen gefunden werden, Anm.) hat sich als großer Drogen-Umschlagplatz etabliert. Im Rahmen der Operation "Porto" gelang es Kriminalisten des Bundeskriminalamtes, in Österreich 159 Dealer auszuforschen, 35 Kilo illegale Drogen und 4500 Ecstasy-Tabletten sicherzustellen.

Seit August 2016 lief die Operation in Kooperation mit deutschen Ermittlern. "Die Täter stehen hier nicht auf der Straße, sie arbeiten vom Wohnzimmer aus", sagte ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka am Montag. Produziert wurden die Drogen vor allem in Holland, der Versand lief über Deutschland. Und genau hier wurden die Ermittler fündig: In Frankfurt wurden 6000 Drogen-Pakete sichergestellt, die im Darknet bestellt worden waren.

Zielmarkt Österreich

Die meisten waren für den US-Markt bestimmt, dahinter folgte schon Österreich. "Von den 6000 Paketen haben wir erst 2000 untersucht. Darin befindet sich alles – von Heroin, Kokain, Ecstasy bis Amphetaminen", erklärte Dieter Csefan, Leiter des Büros für Suchtmittel-Kriminalität im Bundeskriminalamt. Bei den Lieferungen für Österreich war übrigens Oberösterreich mit 128 Sendungen vor Wien (84) und der Steiermark (51) führend.

Die Drogen selbst werden im Untergrund hergestellt – im wahrsten Sinne des Wortes, wie Csefan beschreibt: "Riesige Schiffscontainer werden einige Meter unter der Erde vergraben, dort passiert die Herstellung." Pro Woche würden so in Holland 500 Kilo Drogen produziert.

Früher wurden sie mit Fahrzeugen nach Deutschland geschmuggelt und abgepackt. Doch nachdem dort etliche Bunker-Wohnungen ausgehoben wurden, wird das nun per Post erledigt. "Sie werfen die Packungen einfach in die Postkästen und schicken sie nach Deutschland", beschreibt Csefan. Von dort geht es weiter.

Marktplätze

Die Ermittlungen im Darknet sind nicht einfach. "Wir mussten erst in die Marktplätze kommen, da mussten wir viel lernen", sagte Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes. "Das Problem ist auch, dass wir hier nicht wissen, mit wem wir es zu tun haben, wo die Täter sitzen. Aber der Profit ist enorm. Die Täter ersparen sich Transport und Risiko." Auch Kleindealer versorgen sich hier. Die Gefahr, die Lang sieht: "Diese Art des Drogenhandels kann auch in den ländlichen Gebieten Fuß fassen."

Eine andere ortet Csefan: "Die Konsumenten wissen nicht, was sie bekommen. Etwa, wie hoch der Anteil von Fentanyl (Schmerzmittel, Anm.) in den Drogen ist – daran ist der Sänger Prince gestorben."

Zumindest bei neun Drogentoten (Zeitraum Sommer 2014 bis Jänner 2017) konnte ein Zusammenhang mit Online-Suchgiftbestellungen nachgewiesen werden. Das jüngste Opfer war 18 Jahre alt. Unter diesen Drogentoten befand sich auch eine 37-jährige Mutter aus NÖ. Sie starb nach dem Konsum von Drogen, die sie in einem Online-Shop gekauft hatte.