Chronik | Österreich
01.07.2017

135 Millionen Euro für den Ausbau der Grazer Öffis

Viele Projekte bis 2022 in Planung. Doch die Stadt alleine kann sich das nicht leisten.

Es kostet 3,3 Millionen Euro, 600 Meter Gleisstrecke auszutauschen und in einem Zug auch gleich die Eggenberger Allee mit Bäumen zu behübschen. Das nötige Geld für die Adaptierung der Straßenbahnlinie 7 im Grazer Westen wurde im Budget eingeplant, Baustart ist kommende Woche.

Woher aber das Geld für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in Graz generell kommen soll, wird Verhandlungssache sein: Auf 135 Millionen Euro belaufen sich die Projekte, die bis 2022 umgesetzt werden sollen.

Darunter sind neue Busverbindungen, die mit rund drei Millionen Euro vergleichsweise günstig ausfallen. Die größten Brocken machen neue Straßenbahnlinien aus: Die Verlängerungen zu den Reininghaus-Gründen sowie zur "Smart City" in Bahnhofsnähe kommen auf 60 bis 66 Millionen Euro. Neue Garnituren müssen auch angeschafft werden, das kostet voraussichtlich weitere 47 Millionen Euro. Dann gäbe es da noch eine ganz neue Linie: Durch Neutorgasse und über Andreas-Hofer-Platz soll eine Trasse gebaut werden, die in die Annenstraße mündet.

Weg mit dem Nadelöhr

Diese Variante hat Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP, zuletzt im Gemeinderat kurz angerissen. Kostenpunkt: geplante 21 Millionen Euro. Mit dieser Linie sollen Herrengasse und Hauptplatz entlastet werden; derzeit müssen alle Linien durch dieses Nadelöhr, das sind bis zu 1600 Straßenbahnen täglich.

Verkehrsstadträtin Elke Kahr, KPÖ, stimmt dem Vorschlag zu, auch wenn er nur ihre "zweite Wahl" sei. "Sie schiebt die dringend notwendige Kapazitätserweiterung in Richtung Südwesten auf die lange Bank." Die wurde lang geplant, nie umgesetzt und jetzt vom ÖVP-Stadtchef vollkommen verworfen: Straßenbahnen etwa über den Griesplatz zu führen, sei technisch nicht machbar.

135 Millionen Euro für die Öffis innerhalb der kommenden fünf Jahre ist jedoch eine Summe, die Graz allein nicht stemmen kann. "Das muss auf Stadt, Land und Bund aufgeteilt werden", betont Kahr, und zwar zu gleichen Teilen. Damit geht die KPÖ-Chefin d’accord mit dem Bürgermeister, der die beiden anderen Gebietskörperschaften ebenfalls in die Pflicht nehmen will. Allerdings hat der Bund, abgesehen von der Wiener U-Bahn, bisher nie innerstädtischen Öffi-Ausbau mitfinanziert. Der (steirische) SPÖ-Infrastrukturminister Jörg Leichtfried deutete jüngst aber ein Umdenken diesbezüglich an.