Chronik | Oberösterreich
28.01.2018

Zwei bis vier Tassen Kaffee sind gesund

In den Niederlanden wurden 4000 Herzinfarkte in einer Studie über drei Jahre lang beobachtet

Was ich Ihnen heute schreibe, kommt mir nicht leicht über die Finger: Kaffee ist gesund. Ich selbst trinke nie Kaffee. Und zwar deshalb, weil ich weder den Geschmack noch den Geruch ertrage. Als ich mich auf die großen Prüfungen während meines Medizinstudiums vorbereitet habe, habe ich in Lern-Nachtschichten hin und wieder ein Häferl getrunken, um mich weiter konzentrieren zu können – mit dem einzigen Effekt, dass ich vor Magenschmerzen nicht schlafen konnte. Also habe ich es bleiben lassen und bin auch als passionierte Teetrinkerin Ärztin geworden und sogar bekennender Morgenmensch.

Hat Kaffee tatsächlich eine konzentrationsfördernde Wirkung? Ja, denn es werden durch diverse Mechanismen Substanzen in unserem Körper freigesetzt. Allerdings nimmt diese Wirkung ab, je mehr Kaffee konsumiert wird. Außerdem wäre es dafür sinnvoller, über den Tag verteilt viele kleine Schlucke Kaffee zu trinken als eine große Tasse morgens. Die aufputschende Wirkung entfaltet sich erst nach zirka zehn Minuten, davor wirkt Kaffee beruhigend, weil das Schlafzentrum besser durchblutet wird. Das haben amerikanische Studien gezeigt. Die für mich amüsanteste Untersuchung belegte, dass Kaffee das Nahrungsmittel mit den meisten Antioxidantien für den typischen US-Bürger sei. Das liegt allerdings weniger daran, dass Kaffee ein Wundermittel ist, sondern vielmehr an der ungesunden Ernährungsweise der Amerikaner im Allgemeinen.

Eigentlich wollte ich Ihnen jedoch von einer anderen Studie berichten und zwar aus einem ganz bestimmten Grund. Immer wieder kommen Patienten nach Herzinfarkt zu mir und möchten ihren Lebensstill ändern. Das schätze ich sehr, weil eine solche Änderung die wichtigste Präventionsmaßnahme ist. Bei jeder Beratung kommt die Frage: Darf ich noch Kaffee trinken?

Die Antwort liefert eine niederländische Untersuchung. Mehr als viertausend Patienten nach Herzinfarkt wurden über drei Jahre beobachtet. Sie wurden in Untergruppen eingeteilt: null bis zwei Tassen Kaffee täglich, zwei bis vier Tassen und mehr als vier Tassen. Die Gruppe, die zwei bis vier Tassen Kaffe konsumierte, wies die wenigsten Wiederholungsinfarkte sowie auch das geringste Risiko für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit auf. Untersucht wurde nebenbei bemerkt Filterkaffee, ob koffeinhaltig oder entkoffeiniert spielte keine Rolle.

Ein Problem stellen die Rituale dar. Viele meiner Patienten möchten das Rauchen aufgeben und berichten, dass in ihren Köpfen Kaffee und Zigaretten miteinander verknüpft sind. Oder am Nachmittag Kuchen und Kaffee.

Meine Antwort ist also eindeutig: Wenn Sie es schaffen, diese Knoten zu lösen, dürfen Sie bedenkenlos Kaffee trinken – what else?

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell