Chronik | Oberösterreich
29.10.2017

Zum roten Kiwi mutiert

Der Neuseeländer hat viele Jahre in Österreich gelebt.

Was den Franzosen Emmanuel Macron und den Österreichern Sebastian Kurz ist, ist den Neuseeländern Jacina Ardern. Die 37-Jährige übernahm erst im August den Vorsitz der Sozialdemokraten, katapultierte sie bei der Parlamentswahl im September von 24 auf 37 Prozentpunkte und ist nunmehr Ministerpräsidentin.

David Baigent ist ein Fan von ihr. Der 58-jährige Neuseeländer hat 27 Jahre in Österreich gelebt und gearbeitet. 2012 kehrte er in seine Heimat zurück. Dort ist er zum Sozialdemokraten geworden, obwohl er in Österreich als Kommunikationstrainer viele ÖVP-Politiker betreut hat. Von Sebastian Kurz ist er überrascht. "Ich hätte nicht erwartet, dass sich die vielen schwarzen Elefanten neu orientieren konnten und zu Türkisen geworden sind", sagt er im Gespräch mit dem KURIER. "Hoffentlich kommt er zurecht in diesem Klub der alten Männer. Ich habe sie trainiert. Sie waren einfach nur fad." Kurz sei jung, clever, und schaue gut aus. "Er ist das neue Gesicht." Wie es damals, bei der Präsidentschaftswahl 1992, Thomas Klestil gewesen sei. Der Neuseeländer war seinerzeit Mitarbeiter von Alec Tailor, der Klestil beraten hat.

Die Arbeit als Kommunikationstrainer der Politiker hat ihn geprägt. Deshalb engagiert er sich auch zu Hause. Aber bei den Sozialdemokraten. "Ich bin Sekretär der Waiheke Labour Party. Ich bin nun ein Roter. " Waiheke ist die Insel, wo Baigent mit seiner Frau Ildico lebt.

Die Labour Party habe einen faden Chef gehabt. Der Wechsel zu Ardern im August hat den Roten einen fulminanten Sieg beschert. In Neuseeland sei es üblich, dass sich die Menschen zur Sicherung ihrer Pension ein Haus kaufen, um von der Miete zu leben. Es gebe zwar eine staatliche Pension, die aber nur halb so hoch wie die in Österreich sei. Man könne schlecht davon leben. Man müsse auch selbst Vorsorge treffen. Wer in Neuseeland eine Kapitalertragssteuer einführen wolle, sei politisch sofort tot, erzählt er. Labour habe das gefordert und sei deshalb mit einigen Prozentpunkten abgestraft worden.

Warum ist aus dem Schwarzen David Baigent ein Roter geworden? "Ich habe in Europa den Wert des Sozialstaates gesehen. Es ist besser den Menschen wieder auf die Beine zu helfen als den Zeigefinger zu heben. Als ich nach 30 Jahren Kapitalismus und freien Handels zurück gekehrt bin, haben wir nun Bettler auf den Straßen. Früher gab es sie nicht. Meine Frau arbeitet in einem Hort, wo es Kinder gibt, die zu wenig zum Essen haben. Sie sieht die soziale Kluft, die da entstanden ist." Die Hauspreise seien extrem in die Höhe geklettert. Es gebe natürlich Leute, die von diesem Zustand profitieren würden. "Die jungen Leute haben aber den Traum eines eigenen Hauses aufgegeben." Diese seien zu teuer. "Das ist schlecht und muss gestoppt werden."

Happy wife, happy life

Baigent hat noch immer Kunden in Österreich. Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst ist er mehrere Wochen hier. Aber wichtig ist ihm, wie es seiner Frau geht. "Happy wife, happy life."