Chronik | Oberösterreich
28.05.2017

Zukunftsforscher: Das neue Wir als Megatrend

In 143 Kommunen verwirklichen Bürger Hunderte sinnvolle und nützliche Projekte.

Sie sitzen in der "Denk.Bar", um Dinge auszuhecken, tauschen Saatsamen untereinander, gründen Mitfahrbörsen oder Lauftreffs und sammeln Obst, das niemand will, und pressen daraus Säfte...

Tausende Oberösterreicher engagieren sich in ihren Gemeinden, um ihr Umfeld sinnvoll mitzugestalten. Gemeint sind nicht die Zigtausenden Ehrenamtlichen bei Feuerwehr-, Rettungs- oder Musikorganisationen. Vielfach unbewusst zelebriert und kreiert ein anderer Teil der Zivilgesellschaft die "Wir-Kultur". Das "neue Wir" zählt, so die Trendforscherin Kirsten Brühl, "zu den Megatrends, die unsere Zukunft prägen werden". Sie beruft sich dabei auf europäische Zukunftsforscher.

In OÖ finden sich bereits in 143 Kommunen derartige Aktiv-Gruppen. Unter dem Dach der einst von der UNO ins Leben gerufenen Agenda 21 für Nachhaltigkeit werden sie von Landeseinrichtungen vor allem in der Startphase unterstützt und auch mitfinanziert. Österreichweit gibt es 400 Agenda-Gemeinden.

Chancen

Mit seinem Slogan "Neue Zeit" erst jüngst ins Amt eingestiegen, ist es für Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) wichtig, neue Trends rasch zu erkennen und deren Chancen nutzbar zu machen. Mit der Zukunftsakademie verfüge OÖ eine Einrichtung, die nach neuen Trends Ausschau halte und eine Umsetzung aufbereite, meint Stelzer. Wie Forscherin Brühl sieht Stelzer in der Digitalisierung eine der Trägerraketen der Bewegung. Unter anderem ortet der Landeshauptmann auch eine Chance gegen die Abwanderung im ländlichen Raum: Moderne und Zukunftstrends aus den Städten können auch für Junge am Land zu Perspektiven werden. Co-Working-Spaces, Future Labs, Co-Creation-Dialoge, etc. sind klingende Beispiele dafür.

Landesrat Rudi Anschober (Grüne) ist vom vielschichtigen Engagement, das mit wenig Fördermittel auskommt, begeistert. Allein in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit helfen 10.000 mit, schildert er. Bürgerräte, die parallel zum Gemeinderat Strategien erarbeiten, Foodcoops in denen Erzeuger und Konsumenten kooperieren oder bereits 100 als Multiplikatoren ausgebildete Regionalbetreuer (Geckos) nennt Anschober als Säulen der Wir-Bewegung.

Einsteiger

Allein in zehn neuen Agenda-Gemeinden, die in der vergangenen Woche vor den Vorhang geholt wurden, haben sich in den letzten Monaten 1600 Bürger bei 180 Projekten aktiv beteiligt. Bürgermeister nehmen meist wichtige Startfunktionen ein. "Man nimmt sich heraus und ist trotzdem voll dabei", schildert Ortschef Rudolf Raffelsberger aus Scharnstein. In der 5000 Einwohnergemeinde gibt es 60 Vereine. Dennoch haben sich zuletzt bei elf Projekten 350 Bürger engagiert.www.agenda21-ooe.at www.ooe-zukunftsakademie.at