Chronik | Oberösterreich
22.10.2017

Zu hoher Blutdruck durch fettes Essen

Ich habe Ihnen schon öfter erzählt, was eine gesunde Ernährung bewirkt. In dieser Woche habe ich eine interessante Studie gelesen, die den Spieß einmal umdreht: Welche Auswirkungen hat eigentlich eine fettreiche Ernährung?

Sämtliche Ernährungsgesellschaften empfehlen eine Reduktion der gesättigten Fette, kardiologische Gesellschaften weisen auf die Wichtigkeit eines "normalen" Blutdrucks (im Durchschnitt unter 135/85) hin, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Derzeit werden diese Empfehlungen jedoch vor allem von wirtschaftlicher Seite angezweifelt. Überraschenderweise ist die Zuckerindustrie nicht der Meinung, dass gesunde Ernährung einen Einfluss auf die Entstehung von Herzinfarkt, Schlaganfall, Zuckerkrankheit und Co hat. Vielmehr seien ausschließlich genetische Faktoren ausschlaggebend.

Auch diese Faktoren wurden untersucht, jedoch konnte durch aufgedeckte sogenannte Risikogene bei weitem nicht alles geklärt werden. Deshalb wurden weitere Studien veranlasst, die zum Beispiel die Aktivität eines Enzyms in Abhängigkeit von der Ernährung prüften. Dieses Angiotensin-converting-Enzym ( ACE) beeinflusst die Weite unserer Gefäße. Ist es aktiv, werden unsere Arterien endgestellt, was den Blutdruck erhöht. Nebenbei bemerkt: Viele Blutdruckmedikamente wirken, indem sie dieses Enzym hemmen, die sogenannten ACE-Hemmer.

Test mit Zwillingen

In einer Zwillingsstudie wurden gesunde normalgewichtige Zwillinge sechs Wochen lang auf eine kohlehydratreiche, fettarme Diät gesetzt, um erst einmal die Ernährungsgewohnheiten anzugleichen. Danach wurde je einer der beiden für weitere sechs Wochen fettreich ernährt, während der jeweils andere eine gesunde Mischkost zu sich nahm. Im Mittel führte die Ernährung mit vielen gesättigten Fetten zu einem um fünfzehn Prozent höheren Spiegel des ACE. Und hier konnte sehr wohl ein großer Einfluss der Erblichkeit festgestellt werden. Das bedeutet, dass gewisse Menschen dazu neigen, durch schlechte Ernährung einen hohen Blutdruck zu bekommen.

Auch das konnte nachgewiesen werden: Bereits nach den sechs Wochen entwickelte sich bei einigen – und damit meine ich statistisch signifikant – ein Bluthochdruck. Auch der Zuckerstoffwechsel war bei vielen nach der fettreichen Diät gestört.

Gene undLebensstil

Das bedeutet, dass sowohl genetische Faktoren wie auch der Lebensstil nicht immer direkt zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung führen müssen. Allerdings gibt es leider Gottes auch in unserem Körper eine Hintertür: Besteht eine erbliche "Neigung", können bei schlechter Ernährung über Umwege die Risikofaktoren das Zepter in die Hand nehmen.

Unsere Gene können wir nicht beeinflussen, sehr wohl aber, was sie in unserem Körper anrichten können. Deshalb meine Empfehlung: Halten wir sie mit Broccoli und Co in Schach!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Sport- und Ernährungsmedizinierin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell