Chronik | Oberösterreich
09.07.2017

Würstl und Schnitzerl aus Pilzen

Der Ulrichsberger Fleischverarbeiter stellt nun auch fleischlose Produkte her.

Die Schnitzerl, die die Familie Neuburger Mittwochmittag im Sozialraum ihrer Produktionshalle den Gästen des Spatenstichs servierten, waren ausgezeichnet. Sie sahen aus wie Hühnerschnitzerl und schmeckten auch so. Wüsste man es nicht, hätte man es nicht gemerkt, dass es sich um Schnitzerl aus Pilzen handelt.

Neuburger ist mit seinem hochwertigen Leberkäse groß geworden, der marketingmäßig sehr geschickt und erfolgreich als Neuburger umgesetzt wurde. Zwei Drittel ist aus Rindfleisch, ein Drittel aus Schweinefleisch. Die Fleischhauerei gibt es seit 1919. Entwickelt wurde der Neuburger Leberkäse 1948 von Neuburgers Vater, der die Augsburger Fleischerschule absolviert hat und von Beginn an auf die Edelteile des Fleisches gesetzt hat.

Doch der Fleisch- und Wurstumsatz ist inzwischen leicht rückläufig. "Um zwei Prozent jährlich", erzählt Hermann Neuburger, der inzwischen 65 ist und in den nächsten Jahren den Betrieb an seinen 28-jährigen Sohn Thomas übergeben wird. Neuburger ist davon noch nicht wirklich betroffen, denn die Firma, die 70 Mitarbeiter beschäftigt, schickt sich an, zunehmend den deutschen Markt zu erobern. Von den jährlich 3000 Tonnen geht inzwischen ein Viertel zum großen Nachbarn.

Kräuterseitlinge

Aber bereits vor fünf Jahren machte man sich auf die Suche nach Alternativen zum Fleisch und wurde bei den Kräuterseitlingen fündig. 37 Millionen Euro investiert die Familie nun in acht neue Hallen, in denen die Pilze in der Rekordzeit von sechs Wochenheranreifen. 26 Ernten sind pro Jahr vorgesehen. Morgen, Montag, rollen die Bagger in Ulrichsberg an. Pro Woche sollen zukünftig zwei Tonnen Pilze produziert werden, aus denen dann fleischlose Rostbratwürste, Käsebratwürste, Bratstreifen und Gyros hergestellt werden. Schnitzel und weitere Produkte sollen folgen. "In fünf Jahren wollen wir 50 Arbeitsplätze schaffen", erklärt Thomas, der bereits Geschäftsführer der Fleischlos GmbH ist. Denn die Ernte der Pilze erfolgt händisch. Die Mitarbeiter sind fast ausschließlich Mühlviertler.

Nur Mühlviertler

"Die Mitarbeiter waren auch der Grund, warum wir vor 20 Jahren hier in Ulrichsberg gebaut haben", erzählt Vater Hermann Neuburger, der alles andere als den Eindruck eines Pensionisten macht, der er aber seit einem Monat offiziell ist. 46 Jahre ist er nun im Geschäft, er will bis 70 weitermachen. "Wir haben auch überlegt, in den Zentralraum zu gehen. Aber die Mitarbeiter hier sind einsatzfähig, belastbar, treu und arbeiten noch gerne." Von fünf Uhr früh bis 22 Uhr abends wird produziert. Beliefert werden Spar, Rewe, Merkur, Billa und die Bio-Kette Denns. "Wir sind beide keine Vegetarier, wir schimpfen nicht über das Fleisch, es ist ein hochwertiges Nahrungsmittel. Das Problem ist heute die Tierhaltung und die Menge des Verzehrs", sagt der Vater. "Wir wollen mit Neuburger ein hochwertiges Lebensmittel verkaufen, das vertreten wir auch." Im Kopf geistere ihm die Idee der fleischlosen Alternative schon vor 20 Jahren herum, "vor zehn Jahren habe ich beschlossen, dass ich das machen will. Inzwischen war ich sehr oft in Asien und auf der ganzen Welt, um zu sehen, wie man vegetarische Nahrungsmittel macht. Vor eineinhalb Jahren haben wir uns entschlossen, auf Pilze zu setzen." Die lange Suche hat sich bezahlt gemacht. Neuburger kooperiert mit einem Schweizer Pilzzüchter, der auch sein Know-how zur Verfügung stellte. "Jetzt sind wir beim Kräuterseitling technologisch europaweit ganz vorne."