Chronik | Oberösterreich
26.01.2018

Wirtschaftsgipfel und Lawinen fordern das Heer

Ringen um Personal und Budget beim Bundesheer.

Mit Einsätzen aufgrund der akuten Lawinenbedrohung und der Luftraumsicherung im Zuge des Weltwirtschaftsgipfels in Davos in der Schweiz haben die Luftstreitkräfte des Bundesheers gleich zu Jahresbeginn einen umfassenden Leistungstest zu bestehen. "Alles im Griff" heißt es dazu vom Chef des Kommandos Luftunterstützung, Brigadier Andreas Putz, vom Fliegerhost Hörsching in Oberösterreich. Von dem politisch vor vier Jahres ausgelösten Personalnotstand erholt sich die Einheit nun wieder langsam.

Sein Kommando stehe derzeit im Inland mit 21 Hubschraubern im Einsatz, berichtet Putz. Allein im Rahmen des Assistenzeinsatzes in Tirol wurden bis gestern mit vier Helikoptern 40 Flüge absolviert. Mit Österreichs EU-Vorsitz in der zweiten Jahreshälfte samt zahlreichen international besetzten Terminen steht für heuer bereits ein weiterer Einsatzschwerpunkt fest.

Lange Ausbildung

Wie auch die anderen Heeresverbände in OÖ verzeichnet Flugkommandant Putz in seinen Einheiten den dringend notwendigen Zugang an Personal. "Kurzfristige Personalreduktion können zwar schnell durchgesetzt werden. Doch wegen des hohen Ausbildungsaufwandes in den verschiedenen Spezialbereichen dauert es sehr lange, Personal mit diesem fachlichen Niveau wieder heranzubilden", hadert Putz mit dem früheren Sparkurs beim Heer. Seit 2014 habe seine Einheit den Abgang von 15 bestens ausgebildeten Piloten verkraften müssen.

Punkto Flugmaterial wird sich die neue Bundesregierung in den kommenden Jahren nicht nur um einen Ersatz für die Eurofighter kümmern müssen. 38 Hubschrauber der Typen Alouette und Kiowa müssen in den kommenden Jahren ausgetauscht werden. Die Aufstockung der neun vorhandenen Black Hawk, die bis 2012 mit neuer Software aufgerüstet werden, auf zwölf Stück sei aktuell kein Thema, berichtet Putz.

1600 neue Soldaten

Große Herausforderungen sieht der oö. Militärkommandant Kurt Raffetseder insgesamt auf die Armee zukommen. Die Zahl der Assistenzeinsätze sei im Vorjahr auf über 1000 gestiegen. Der "Systemabsturz" des Bundesheers konnte verhindert werden, die Werbeoffensive um mehr Personal habe gegriffen.

Doch die allgemein vorherrschende Meinung, beim " Bundesheer sei alles paletti", sei nicht richtig, sagt Raffetseder. Von den 1600 im Vorjahr neu aufgenommen Soldaten sind aufgrund von Pensionierungen und Abgängen netto nur 50 Personen übrig geblieben. Auch budgetmäßig sei der Heeresbetrieb für das heurige Jahr noch nicht in trockenen Tüchern.