Chronik | Oberösterreich
10.03.2012

Wirtesterben: Mehr als die Hälfte der Gemeinden betroffen

Das Gasthaus als Ort des Zusammenkommens verschwindet zusehends aus den Landgemeinden. Viele Betriebe finden keine Nachfolger.

Am Sonntag nach der Kirche auf ein Getränk oder zum abendlichen Stammtisch gehen. In vielen Landgemeinden ist diese Tradition heute nicht mehr möglich. In mehr als der Hälfte der Orte hat in den vergangenen zehn Jahren ein traditionelles Landgasthaus seine Pforten für immer schließen müssen. Jede fünfte Gemeinde hat sogar mehr als einen Wirten verloren.

„Eines der großen Probleme ist die Nachfolge“, sagt Eva Maier, die Obfrau der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. „Für viele junge Menschen sind die sehr langen Arbeitszeiten nicht das Gelbe vom Ei. Sie wollen mehr Freizeit haben“, erklärt die Sprecherin, die in Mettmach im Bezirk Ried den Landgasthof Stranzinger führt.

Und auch finanziell würde sich für viele Wirte am Land der Betrieb nicht mehr lohnen. Häuser, die in den vergangenen 20 Jahren nicht investiert haben, würden jetzt vor großen Herausforderungen stehen. „Für einige ist es nicht mehr tragbar, den gesetzlichen Anforderungen bei der Hygiene und bei der Belüftung gerecht zu werden.“ Und auch der Fiskus würde die heimischen Wirte treffen.

„Durch die hohe Besteuerung bleibt nicht mehr viel übrig, obwohl der Gast das anders empfindet.“ Mehrwert-, Getränke-, Alkohol- und Brennstoffsteuer würden die Gastronomen in Bedrängnis bringen.

Wochenende

Dazu komme, dass am Land unter der Woche Gäste ausbleiben und nur noch am Wochenende einkehren würden. Besonders stark vom Wirtshaussterben betroffen seien kleine Gemeinden im Innviertel, die nicht in der Nähe einer größeren Stadt oder eines Marktes liegen. In urbanen Regionen dagegen würde die Gastronomie sehr gut dastehen.

Einen Hoffnungsschimmer sieht Maier am düsteren Himmel der Landgasthäuser. „Viele junge Menschen gründen einen Stammtisch. Sie haben das Bedürfnis, sich ein Mal in der Woche zu treffen.“ Diese Entwicklung sollten die Wirte nicht verschlafen. Man brauche die Jungen nur abzuholen. „Ich kaufe beispielsweise ein Schild für den Stammtisch oder lasse Leiberl bedrucken.“

Für das Zusammenleben im Ort habe die Gaststätte eine zentrale Funktion. „Der Ort lebt mit dem Wirtshaus. Man trifft sich, tauscht sich aus.“ Ein Landgasthaus sei etwas völlig anderes als ein Restaurant. „Hier sehen die Gäste den Chef und haben einen Bezug zum Gastronom. Ich glaube das ist es, das den Menschen fehlen wird, wenn sie es nicht mehr haben.“ „Wenn wir auf Urlaub sind, sagen alle, es ist still und finster. Da fehlt etwas.“

Hingabe

Um das zu gewährleisten brauche es eine absolute Hingabe.  „Das funktioniert nur so lange man Euphorie für  den   Beruf aufbringt und alles andere auf die Seite stellt.“ Wenn man das nicht mehr schaffe, dann werde das Wirtedasein schwierig. Und das merken die Gäste schließlich auch.   Trotz der finsteren Prognosen zur Zukunft der Landgasthäuser ist Maier zuversichtlich. „Totgesagte leben länger.“

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