Chronik | Oberösterreich
20.08.2017

"Wasser Roas" rund um Weyregg am Attersee

Wasser – Das Wasser des Attersees benötigt 44 Tage, bis es im Schwarzem Meer ankommt.

"Mit allen Wassern gewaschen." Das wird dem Wanderer bei dieser Rundtour wohl nicht passieren. Aber es gibt viel Interessantes über das Element Wasser zu entdecken. Ausgangspunkt ist die Schiffsanlegestelle Weyregg. Wer hier in den Attersee blickt, würde nicht vermuten, dass sich im Wasser nicht nur die besonderen Algen befinden, die dem See seine türkisblaue Farbe verleihen, sondern auch ein 50 mal 50 Meter großes römisches Fischbecken. Von der Besiedlung in antiker Zeit zeugen auch Reste eines römischen Gutshofes, die sich am Beginn des Wanderweges "Wasser Roas" befinden.

"Das Mosaik der Villa Rusticana haben wir in der Volksschule angebracht. Das darin enthaltene Efeublatt ziert das Wappen der Gemeinde Weyregg", erzählt Bürgermeister Klaus Gerzer. Wir folgen der Markierung durch Streuobstwiesen. Eine Tafel informiert, dass auch die hier häufig vorkommende Zwetschke von den Römern eingeführt wurde.

Mit herrlichen Ausblicken auf den See führt der Weg weiter in südlicher Richtung. Schon seit Jahrzehnten heißt der Weg auch Dr. Gleißner-Weg. Der langjährige Landeshauptmann soll nach dem Zweiten Weltkrieg bei einer Verhandlung in Weyregg erfolgreich verhindert haben, dass Oberösterreich entlang der Demarkationslinie geteilt wird.

Immer wieder laden Bankerl zum Rasten und Seeblick-Genießen ein. Vorbei an friedlich grasenden Alpakas wird die Ortschaft Steinwand erreicht. Der hier wohnhafte Vizebürgermeister Franz Gaigg gerät manchmal ins Schmunzeln, wenn er beobachtet, wie manche Wanderer auf die in der Nähe seines Hauses angebrachte Schautafel reagieren. Diese zeigt eine leere Glasscheibe und den Spruch: "Wussten Sie, dass das einer der schönsten Ausblicke auf Weyregg ist?" Die Pointe: Es handelt sich um teilverspiegeltes Glas. Der Betrachter sieht die Landschaft und gleichzeitig sich selber. Eine Übung zum Mitdenken, die manche ratlos zurücklässt.

Schließlich ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht. Hier befindet sich die Kneippquelle "Schahöbrunn". Ein Armbad im acht Grad kalten Wasser erfrischt garantiert. Amtsleiter Johann Gebetsroither weiß aus Erfahrung: "Das Kneippbad dauert nur eine Minute und hat die Wirkung eines kräftigen Espressos." Hier ist auch das Reich mächtiger Buchen. Kaum zu glauben: Jeder dieser Baumriesen transportiert täglich 500 Liter Wasser von den Wurzeln bis in die Blattspitzen. Er würde aber auch den Rohstoff für 1500 Stoffleibchen liefern.

Dann geht es hinunter in die Ortschaft Alexenau. Hier kann man sich entscheiden, dem Wanderweg rund um den Wachtberg zu folgen und in einer Stunde nach Weyregg zurückzukehren oder ganz bequem mit dem Atterseeschiff zurückzugleiten.Am Schiff serviert eine charmante Kellnerin einen echten aromatischen Espresso, wie Doris Schreckeneder, die Eigentümerin der Schiffslinie, versichert.

Eine letzte Schautafel beantwortet noch eine interessante Frage: Wie lange braucht das Wasser des Attersees, bis es im Schwarzen Meer ankommt? Es sind 44 Tage. Dann wird es allerdings höchste Zeit, der Empfehlung Friedrich Schillers zu folgen: "Die Sonne scheint. Es lädt der See zum Bade." Das Strandbad Weyregg wartet.

Autor: Josef Leitner