Vranitzky-Brief an Klaus Luger

FESTAKT ZU 20 JAHREN EU-BEITRITTSVERHANDLUNGEN: VR
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Vranitky schrieb an den Linzer Bürgermeister.

Altbundeskanzler erinnert Bürgermeister an Parteitagsbeschluss zu "Grauen Wölfen".

Es kommt nicht oft vor, dass sich der Altkanzler (1986 bis 1997) und Ex-SPÖ-Chef Franz Vranitzky (1988 bis 1997) in tagespolitische Angelegenheiten mischt. Wenn er es ausnahmsweise tut, ist es umso bemerkenswerter.

Wie der KURIER in Erfahrung brachte, hat der 77-Jährige vergangene Woche ein persönliches Schreiben an den Linzer Stadtchef Klaus Luger (SPÖ) verschickt. Nach dem offenen Protestbrief von 70 großteils bekannten Künstlern und Wissenschaftlern, die – wie berichtet – das Nahverhältnis der Linzer SPÖ zum umstrittenen Migrantenverein Avrasya angeprangert haben, dürfte es der frühere Bundesparteivorsitzende für dringend notwendig erachtet haben, auch selbst zur Feder zu greifen.

In dem Schreiben soll Vranitzky, der in seiner antifaschistischen Haltung stets kompromisslos war, den Stadtchef an den SPÖ-Bundesparteitagsbeschluss vom November 2014 erinnert haben. Damals wurde beschlossen, gegen jede Unterstützung und Zusammenarbeit mit den "Grauen Wölfen" (Anhänger der rechtsextremen türkischen Partei MHP) und ihren Vorfeldorganisationen konsequent vorzugehen. Eine Kopie des Vranitzky-Briefes soll unter anderem an Bundeskanzler Werner Faymann gegangen sein. Klaus Luger bestätigte am Montag den Erhalt des Schreibens. Seine Reaktion: "Ich werde Vranitzky genauso persönlich antworten, wie den 70 Unterzeichnern des offenen Briefes."

Facebook-Kritik

Die Protestfront gegen die Linzer SPÖ-Spitze und ihre Haltung zum Verein Avrasya, den Experten als Organisation der "Grauen Wölfe" einstufen, weitet sich von Tag zu Tag aus. Bei der Landesjugendkonferenz der Gewerkschaftsjugend am Wochenende wurde beschlossen, jede Kooperation mit den "Grauen Wölfen" und deren Vorfeldorganisationen abzulehnen. "Wir fordern alle demokratischen Parteien und Organisationen auf, jegliche Zusammenarbeit und Unterstützung von Avrasya oder der MHP nahestehende Organisationen zu beenden", sagt Jugendsekretär Dominik Samassa. Gefordert wurde etwa die Streichung ihrer öffentlichen Förderungen und dass die MHP-Anhängerschaft in Verfassungsschutzberichten künftig wieder enthalten sei.

Auch die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Daniela Holzinger übt via Facebook Kritik an der Linzer Partei: "Die Taktik, auf dem Auge blind zu sein, wo man sich ein Wählerpotenzial erhofft, ist kurzsichtig und gefährlich." Luger solle sich als Sozialdemokrat ernst nehmen und die Unterstützung für Avrasya beenden.

(kurier) Erstellt am
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