So sollen die Pfahlbauten ausgesehen haben

© Josef Leitner

Chronik | Oberösterreich
07/27/2019

Vor 6.000 Jahren lebten sie an den Seen in Pfahlbauten

An den Ufern der Seen des Salzkammerguts sind Dörfer aus prähistorischer Zeit verborgen. Die Menschen lebten in Pfahlbauten.

6.000 Jahre alte Äpfel und steinzeitliches Brot: Ein Besuch im einzigen Pfahlbaumuseum Österreichs führt in eine Steinzeitkultur, die mit interessanten Funden überrascht. Auf der 1.400 großen Ausstellungsfläche tauchen wir ein in die jungsteinzeitliche „Mondseekultur“. Wir erfahren, dass die ersten Siedler auf tief in den Boden gerammten Pfählen ihre Häuser errichteten. Sie bestellten Äcker und züchteten Tiere.

Seespiegel gestiegen

Die an den Ufern der Salzkammergutseen errichteten Siedlungen wurden durch das Wasser konserviert und dadurch für die Nachwelt erhalten. Später stieg der Wasserspiegel des Mondsees um 3,5 Meter auf das heutige Niveau an. Darum befinden sich die Reste der 2011 zum UNESCO-Welterbe ernannten „prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ allesamt unter Wasser. 111 dieser archäologischen Fundstellen sind dokumentiert, davon fünf in Österreich. Die übrigen befinden sind in der Schweiz, Italien, Deutschland, Frankreich und Slowenien. Johannes Pfeffer, Obmann des Museums: „Die Besiedlung der Seeufer begann vor ca. 6.000 Jahren und setzte sich durch die Bronzezeit fort. Sie endete in der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends.“

 

Im Steinernen Saal können wir die im Wasser konservierten Funde bewundern: Werkzeuge aus Stein, Holz, Bein und Geweih, Behälter aus Bast und Rinde sowie Reste von Nahrung. Pfeilspitzen aus Feuerstein, Silex genannt, wurden bei der Jagd auf Wildtiere wie Rothirsch, Gämse, Wildschwein und Reh eingesetzt. Wie wichtig die Konservierung der Funde ist, zeigt uns der Museumsführer: Er nimmt ein 6.000 Jahre altes, nicht konserviertes Stück Holz aus einem Wassergefäß. Es ist weich wie ein Schwamm. Er zeigt uns auch einen mit konzentrischen Kreisornamenten verzierten Krug, den „Mondsee Pfahlbau Krug“.

 

Pfeffer: „Nach diesem Muster werden auch heute wieder Krüge erzeugt. Sie eignen sich hervorragend für den Genuss des Pfahlbaubieres. Die Brauerei Kaltenböck aus Attersee hat dieses Getränk eigens mit genau den Zutaten gebraut, die auch in der Steinzeit vorhanden waren: Wasser, Gerstenmalz, Einkorn, Hopfen, Kräuter wie Schafgarbe und Quendel sowie Hagebutte und Hefe.“ Wir genießen eine Kostprobe dieses urzeitlichen Biers und sind überrascht von der Würze.

 

Der weitere Weg führt durch die Bibliothek des im Jahr 748 gegründeten Klosters. Unter diesem prächtigen gotischen Gewölbe entstand die früheste Übersetzung von Teilen der Bibel ins Althochdeutsche. Auch die wahrscheinlich älteste Musikhandschrift soll von hier stammen. Viele wertvolle Kunstwerke wären es wert, hier länger zu verweilen. 1791 wurde das damals älteste Kloster auf österreichischem Boden von Kaiser Josef II. aufgehoben.

 

Eine weitere Etappe unserer Reise in die Steinzeit führt uns an den Attersee. Mit einem Schiff gleiten wir vom Ort Attersee nach Seewalchen, wo bereits 1870 der erste Pfahlbau im Attersee entdeckt wurde. Gleich am Bootssteg springen zwei Einbaum-Boote ins Auge. Gerald Egger ist Attersee-Experte und Pfahlbau-Vermittler: „Mit Einbäumen dieser Art waren die Steinzeit-Menschen auf dem See unterwegs. Wir haben sie aus Weißtannen mit einem Durchmesser von 120 cm gefertigt. Beim Pfahlbaufest am 3. August wird damit eine Einbaumregatta durchgeführt.“

 

Wie das funktionieren kann, erfahren wir im Pfahlbau-Pavillon an der Seepromenade. Der Experte zeigt uns, wie aus einem Feuerstein scharfkantige Pfeilspitzen und Messer für Arbeitswerkzeuge hergestellt werden. Auch dass Birkenpech als Kaugummi verwendet wurde, das nicht nur zum Vergnügen, sondern auch wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung gefragt war.

Autor: Josef Leitner